Therapieerfahrungen mit Adoptiv- und Pflegekindern

 

Einfhrung: Allgemeines ber Spieltherapie (Psychotherapie fr Kinder): Setting, Ablauf, Spielangebot, Grenzen setzen, Bedingungen bei der Therapeutin, beim Kind und bei den Bezugspersonen des Kindes. Eine Spieltherapie ist indiziert fr Kinder mit emotionalen Problemen, mit Schwierigkeiten im sozialen Bereich oder mit Leistungsstrungen infolge einer neurotischen Entwicklung. Die Ursachen fr Verhaltensaufflligkeiten, die eine Therapie erforderlich machen, liegen entweder in der Konstitution des Kindes, in einer frhkindlichen Deprivation, in Traumatisierungen oder mehr in der Umwelt, in einem ungnstigen Erziehungsklima, unstabilen Familienverhltnissen, Ueberforderung der Eltern. Deshalb ist die begleitende Elternarbeit und ev. die Arbeit mit weiteren Bezugspersonen in der Kindertherapie enorm wichtig.

In der Spieltherapie zeigt das Kind im Spiel seine Probleme und verarbeitet sie gleichzeitig. Die Therapeutin versucht zu verstehen, reagiert einfhlsam und gibt Anstsse, wenn diese angezeigt sind. Das Kind kann in dieser akzeptierenden und geschtzten Atmosphre Entwicklungsschritte machen.

Die Qualittssicherung geschieht in der Kindertherapie durch die Umwelt. Die zuweisenden Eltern und/oder andere Stellen entscheiden, ob die Therapie erfolgreich ist und wie lange sie durchgefhrt wird.

 

Mit Hilfe verschiedener Fallbeispiele wird in der Diskussion mit den Teilnehmern versucht aufzuzeigen, wo spezifische Probleme bei Adoptiv- und Pflegekindern liegen knnten, die eine Therapie eventuell ntig machen:

Viele Adoptiv- und Pflegekinder erleiden frhkindliche Deprivationen, d.h. sie werden nicht adquat betreut in dieser sehr sensiblen Phase. Als Folge davon zeigen sie enorme Bedrfnisse nach Zuwendung und Sicherheit, mit denen sie ihre Eltern berfordern.

Durch die durch ihre Eltern erfahrene Ablehnung erfahren viele Kinder eine narzisstische Verwundung. Sie knnen dadurch kein Urvertrauen entwickeln und leiden unter grossen Aengsten und Unsicherheiten.

Dadurch dass sie zwei Elternpaare haben und oft wenig ber ihre Herkunft wissen, leiden sie hufig unter einer starken Identittsproblematik, die vor allem in der Pubertt zu heftigen Krisen fhren kann.

Viele zeigen auch eine Aggressionsproblematik. Sie wagen nicht, aggressiv zu sein, da sie befrchten, dann weggegeben zu werden, erleiden dafr aber unkontrollierte Triebdurchbrche.

Oft wurde vor allem in frheren Jahren die Aufklrung ber die Adoption vernachlssigt und erfolgte oft auf eine traumatisierende Art und Weise.

 

Die Probleme knnen auch mehr bei den Adoptiveltern liegen:

Fehlende Verarbeitung der eigenen Sterilitt und nicht erfolgte Trauerarbeit.

Unsicherheit in der Elternrolle und damit krisenhaftes Erleben, wenn die Adoptivkinder von ihren leiblichen Eltern wissen oder sie gar suchen wollen.

Leibliche Kinder in der Familie wirken oft problemverstrkend.

 

Pflegeeltern mssen sich mit der Beziehung zu den leiblichen Eltern ihrer Pflegekinder auseinandersetzen und sie akzeptieren knnen. Tun sie dies nicht, werden der ohnehin vorhandene Spannungszustand und die Loyalittskonflikte fr die Pflegekinder sehr belastend.

Die beschriebenen Aufflligkeiten kommen jedoch alle auch bei Nichtadoptiv- und Pflegekindern vor und es ist ganz speziell zu betonen, dass es viele Adoptiv- und Pflegekinder gibt, die sich trotz diesen Schwierigkeiten unauffllig und sehr positiv entwickeln.

 

Ausgehend davon wurde in der Diskussion versucht, Forderungen fr eine weitere Qualittsentwicklung im Adoptions- (und Pflegekind-) bereich aufzustellen:

 

1. Adoptionsvermittlung braucht ein Team von Fachleuten.

2. Bei der Auslese von Adoptiveltern soll weniger auf ussere Verhltnisse als auf Kommunikationsfhigkeit, Bewltigungstrategien und Entwicklungsmglichkeiten geachtet werden.

3. Schwierige (ltere u/o behinderte) Kinder brauchen besonders geeignete und erfahrene Adoptiveltern.

4. Auch in der Schweiz braucht es Projekte zur Sptadoption von Heimkindern.

5. Fr wartende zuknftige Adoptiveltern soll es Gruppen geben (ev. zusammen mit abgebenden Mttern), die der Selbsterfahrung dienen sollen.

6. Abgewiesene Bewerber sollen weiter Hilfe bekommen.

7. Leibliche Mtter, die ein Adoption ins Auge fassen, sollen intensiv begleitet werden. Alternativen sollen aufgezeigt, ein soziales Netzwerk aufgebaut werden.

8. Leibliche Mutter und zuknftiges Adoptivkind sollen nach der Geburt (nach einem Abschiedsritual) getrennt werden.

9. Das Adoptivkind soll schon in der Klinik von seinen knftigen Adoptiveltern gepflegt und anschliessend nach Hause genommen werden.

10. Nach Ablauf der gesetzlichen Frist soll die Adoption definitiv werden. Keine Probezeit.

11. Nachbetreuung der Adoptivfamilie durch die Vermittlungs- oder eine andere Stelle.

12. Es sollen Gruppen fr Adoptiveltern und Gruppen fr jugendliche Adoptierte angeboten werden.

13. Es sollen jhrliche gesellige Treffen fr Adoptiveltern und ihre Kinder angeboten werden.

14. Ein minimaler Austausch zwischen leiblicher Mutter und Adoptivkind (z.B. jhrlicher Brief mit Photo) sollte ber die Vermittlungsstelle mglich sein.

15. Jedes Adoptivkind hat Anspruch auf Information ber seine leiblichen Eltern.

Wenn es sie ab dem Alter von 18 Jahren kennenlernen mchte, soll die Vermittlungsstelle dabei Hilfe leisten.

(Przisierungen dazu in Schtt-Baeschlin, A.: Das Adoptivkind, Verlag Pro Juventute, Zrich, 3.Aufl. 1997, S. 184-187)