Qualitt in der Herkunftselternarbeit

 

1.   Zusammenfassende Dokumentation des auf dem Kongre stattgefundenen Seminars

2.   Vorschlge fr Qualittskriterien (im Seminar verteilter Reader)

a) Mgliche Ansatzpunkte von Prozequalitt fr den Bereich Prvention von Trennung durch Adoption und/oder Dauerpflege

b) Mgliche Ansatzpunkte von Strukturqualitt fr den Bereich Prvention bei Adoption und/oder Dauerpflege

c) Mgliche Ansatzpunkte von Prozequalitt fr den Bereich Trennungsvorbereitung-, Begleitung und -Beratung bei Adoption und Dauerpflege

d) Mgliche Ansatzpunkte von Strukturqualitt fr den Bereich Trennungsvorbereitung-, Begleitung und -Beratung bei Adoption und Dauerpflege

e) Mgliche Ansatzpunkte von Prozequalitt fr den Bereich Nachbetreuung bei Adoption und Dauerpflege

f) Nachwort

g) Neuere Konzepte und Projekte im Bereich Prvention von Fremdunterbringung und Dauerpflege (mglicherweise bertragbar auf das Adoptionsverfahren)

h) Beispielhafte Faltbltter, Broschren fr Herkunftseltern

i) Literaturliste

 

1.   Zusammenfassende Dokumentation des auf dem Kongre stattgefundenen Seminars

Ablauf des Seminars:

      beruflicher, biografischer Hintergrund

      Herkunftselterngruppen in Deutschland

      der Verein Netzwerk Herkunftseltern e.V.

      die Beratungsstelle fr Herkunftseltern in Berlin

Herkunftselternarbeit ist, hnlich wie die wissenschaftliche Beschftigung mit Herkunftseltern, zur Zeit noch untypisch. Wenn ich von Herkunftseltern spreche, dann meine ich Eltern, deren Kinder fr eine lange Zeit oder dauerhaft von ihren Kindern getrennt leben, deren Kinder sich bei Adoptiv- oder Pflegeeltern oder in einem Heim befinden. Wie sich gezeigt hat, ist die Thematik Herkunftseltern auch auf diesem Kongre kaum vertreten gewesen. Darber hinaus ist es unblich, da ein Seminar wie dieses von jemandem mit meinem biographischen Hintergrund gestaltet wird.

Mein Name ist Elke Lehnst, ich komme aus Deutschland, genauer gesagt aus Berlin, bin von meiner Ausbildung her Diplom-Pdagogin und habe vielfltige berufliche Erfahrungen in den Bereichen Familienhilfe, Suchtarbeit und Arbeit mit psychisch kranken Menschen. Von meiner Biographie her bin ich Herkunftsmutter, d.h. ich habe selbst ein Kind zur Adoption gegeben.

Aufgrund meines Bedrfnisses ber diese Entscheidung und die daraus erwachsende Trauer zu reden, initiierte ich Mitte 1997 zusammen mit einer anderen Herkunftsmutter die Selbsthilfegruppe "Mtter ohne Kinder" in Berlin - eine Gruppe, die bis heute existiert und offen ist fr Mtter, Vter und fr Eltern, deren Kinder bei Adoptiv- oder Pflegeeltern aufwachsen.

In dieser Gruppe, die mit 4 Mitgliedern begann, kam rasch die Frage auf, welche Mglichkeiten Herkunftseltern, die in kleineren Stdten leben, zum Austausch und zur Untersttzung haben. Bereits in der Grostadt Berlin war es schwierig, zueinander zu finden. Wir beschlossen daher, die Information ber unseren Zusammenschlu deutschlandweit zu verteilen mit dem Angebot, sich auch telefonisch oder schriftlich fr einen Austausch an uns wenden zu knnen bzw. ber uns AnsprechpartnerInnen fr eine Kontaktaufnahme vor Ort zu finden.

Ab diesem Zeitpunkt, ca. Juni 1997, als sich recht schnell viele Herkunftseltern meldeten und ich feststellte, da es auch einen enormen Bedarf an Informationen und weitergehender Untersttzung gab, begann meine Beratungsttigkeit, zuerst ehrenamtlich, spter angestellt. Ab Herbst 1997 begann ich, die Zeitung "Impulse" fr Herkunftseltern herauszugeben. Ich bereitete dem Wunsch von verschiedener Herkunftseltern entsprechend die Grndung des ersten deutschlandweit arbeitenden Vereins vor. Dieser Verein entstand dann im Mrz 1998 als "Netzwerk Herkunftseltern e.V." durch 12 Grndungsmitglieder.

Im Winter 1997/98 konnte ich den Berliner Trger Nachbarschaftsheim Schneberg e.V. dafr gewinnen, eine Finanzierung fr eine Beratungsstelle fr Herkunftseltern zu beantragen, so da ich im Mai 1998 angestellt wurde, die Beratungsstelle erffnete und mit dem Aufbau derselbigen begann. Aufgrund von finanziellen Engpssen der Stadt Berlin ist eine Weiterfinanzierung nach dem Mai 2000 nicht mglich gewesen, so da ich die Beratungsttigkeit in diesem Jahr einstellen mute, bzw. einen kleinen Teil meiner Arbeit nun freiberuflich fortfhre.

Aus meiner Perspektive ist bereits Herkunftselternarbeit an sich ein Qualittskriterium in der fachlichen Arbeit im Adoptions- und Pflegebereich. Sie bedarf sowohl struktureller Bercksichtigung als auch inhaltlicher Erarbeitung. Im Bereich der Fremdunterbringung von Kindern in Heimen ist die Diskussion in Deutschland und sterreich bereits um einiges weiter als fr den Bereich Pflege und Adoption, steckt aber fr sich gesehen auch noch in den Kinderschuhen (s. Literaturliste: Conen 1990, Putzhuber 1997).

 

Gruppenarbeit mit Herkunftseltern

Vor der Bildung der Berliner Gruppe gab es meines Wissens bereits 2 Selbsthilfegruppen in Deutschland, die allerdings 1997 nicht mehr existierten bzw. sich gerade auflsten. Lt. Aussagen einer Vermittlungsstelle hat es auch in Berlin von professioneller Seite her bereits frher der Versuch zur Bildung einer Gruppe gegeben. Diese habe allerdings vom Engagement einer Mitarbeiterin abgehangen und habe sich bei Wegzug der Leitung aufgelst.

In der Gruppe "Mtter ohne Kinder" in Berlin befanden sich vor allem Mtter, ca. 5 % der kurzfristig Teilnehmenden waren Vter. Es nahmen berwiegend Eltern teil, deren Kinder sich in Adoption oder in Pflege befanden. Wir fanden heraus, da es zwar rechtlich groe Unterschiede zwischen Adoption und Dauerpflege gibt, aber es im tatschlich Erleben der Herkunftseltern kaum Differenzen gibt, so da wir der Aussage, da viele Dauerpflegeverhltnisse heimliche Adoptionen seien, zustimmen knnen.

Mir sind heute 8 Gruppen von Herkunftseltern in Deutschland bekannt, sowohl reine Selbsthilfegruppen, als auch durch verschiedenste Professionelle angeleitet oder in der Anfangsphase untersttzt, sowohl gemischt (Pflege und Adoption), als auch nur Adoption oder nur Pflege. Fast alle Gruppen haben sich mit Adoptiv- oder Pflegeeltern und mit erwachsenen Adoptierten oder Pflegekindern getroffen, ein kleiner Teil der Gruppen hat sich nach einer Anfangsphase geffnet, so da sie nun Dreiecks- oder Vierecksgruppen sind (Dreieck: Herkunfts-, Aufnehmende Eltern und erwachsene Kinder - Viereck: Herkunfts-, Adoptiv- oder Pflegeeltern, erwachsene Kinder und professionell in diesem Bereich Arbeitende). Darber hinaus gibt es vielfltige Bestrebungen, weitere Gruppen ins Leben zu rufen. Seit kurzem gibt es darber hinaus im Internet eine eGroup von und fr Herkunftseltern. Diese Gruppe gleicht einer Selbsthilfegruppe.

Im Laufe meiner Arbeit fand ich heraus, da es weltweit viele verschiedene Gruppen fr Herkunftseltern im Bereich Adoption und Pflege gibt. Ich erhielt Informationen, da es in sterreich, Dnemark, Schweden, Norwegen, Holland, England, USA, Australien und Neuseeland Selbsthilfegruppen und z.T. professionell angeleitete Gruppenangebote gibt.

1999 konnte ich im Rahmen der Arbeit in der Beratungsstelle fr Herkunftseltern Frau I. Wiemann fr die Leitung eines therapeutischen Seminars gewinnen. Es nahmen 19 Herkunftsmtter aus ganz Deutschland teil, deren Kinder sowohl bei Pflege-, als auch bei Adoptiveltern leben oder lebten. Dieses Seminar, das zwei Tage dauerte, wurde von fast allen als sehr bereichernd und untersttzend wahrgenommen. Es entwickelten sich daraus einzelne Kontakte, die bis heute als Freundschaften weiter bestehen. Ein weiteres Seminar wird von Frau Wiemann im Frhjahr 2001 angeboten. (Ich habe auf Basis eines von den Teilnehmerinnen ausgefllten Auswertungsbogens einen 5seitigen Artikel verfat, der bei mir erhltlich ist. Verffentlichung des stark gekrzten Artikels in der Zeitschrift 2/2000 Kindeswohl.)

Nach meinen Erfahrungen ist es sinnvoll, Herkunftseltern einen Austausch in Gruppen zu ermglichen, sei es durch die Untersttzung bei der Bildung von Selbsthilfegruppen, sei es durch die Entwicklung eines Angebots mit professioneller Leitung. Dabei ist es in dem meisten Fllen nicht sinnvoll, da die Gruppe durch die Vermittlungsstelle oder den Pflegekinderdienst angeleitet oder angeboten wird, da viele Herkunftseltern Vorbehalte gegenber dem bei diesen mtern angestellten Fachpersonal entwickelt haben.

Selbsthilfegruppen knnen, aufgrund der Schwere des Themas oder der Erkrankung einzelner TeilnehmerInnen (z.B. psychische oder Suchtkrankheit), an nicht allein bewltigbare Grenzen kommen oder daran zerbrechen. Nicht fr alle Herkunftseltern ist eine Gruppe gleich zu Anfang, wenn sie sich dem Thema nach einer Phase des Schweigens und/oder Verdrngens ffnen und es aufarbeiten wollen, sinnvoll und mglich. Es kann eine gute Ergnzung und Vorbereitung sein, wenn einzelne Herkunftseltern sich persnlich, per Telefon oder Brief miteinander austauschen, vor allem, wenn sie sich in einer hnlichen Situation befinden, z.B. wenn beide ein Kind in Inkognitoadoption gaben, beide noch ein weiteres Kind zu Hause haben oder beide regelmig Kontakt zum Kind pflegen.

Der Zusammenkunft von Herkunftseltern stehen einige Hindernisse im Weg. So ist es beispielsweise selbst innerhalb von Berlin aufgrund der angespannten finanziellen Situation nicht allen Herkunftseltern mglich, sich die Fahrkarte zu kaufen, um zum Treffpunkt zu kommen. Dies verschrft sich, wenn es sich um ein auswrtig angesiedeltes Seminar handelt, fr das grere Fahrkosten, bernachtungskosten und evtl. Seminargebhren bezahlt werden mssen. Ein weiteres Problem sind Kinder, die bei den Herkunftseltern leben, da die wenigsten Herkunftseltern ber untersttzende Verwandte, Freunde oder das Geld fr einen Babysitter verfgen und die Anwesenheit von Kindern in der Gruppe weder fr die Kinder noch die Herkunftseltern wnschenswert ist. Ein weiterer Teil von Herkunftseltern ist darber hinaus durch Phobien oder hohes Alter daran gehindert, an einer Gruppe teilzunehmen.

Folgende Dinge helfen Herkunftseltern, wenn sie in Herkunftselterngruppen gehen:

      sie brechen das Schweigen (manche Herkunftseltern konnten 30 Jahre und mehr mit niemanden ber dieses Thema und die sie belastenden Gefhle sprechen)

      sie erhalten die Mglichkeit, dem Tabu und der Diskriminierung ihres Tuns und Erlebens etwas entgegen zu setzen, so da sie ihre Scham reduzieren knnen (sowohl innerhalb der Familie, gegenber dem Partner als auch gegenber weiteren Kindern wird das von ihnen getrennt lebende Kind oft nicht benannt oder als Familiengeheimnis gehtet, als auch gegenber FreundInnen, KollegInnen oder anderen Mttern/Vtern wird aufgrund der Angst oder tatschlich erfahrender Verachtung, Ablehnung, Abwertung - z.B. als Rabenmutter - das Kind verschwiegen)

      sie ermglicht die Reduzierung der Einsamkeit mit diesem Thema (z.B. knnen Herkunftseltern an fr sie besonders schmerzlichen Tagen und Erinnerungen auf das Verstndnis und die Untersttzung anderer Herkunftseltern bauen, sich Untersttzung durch Begleitung zur Vermittlungsstelle holen)

      sie ermglicht Untersttzung, um sich dem Schmerz zu stellen, schmerzliche Gefhle wahrzunehmen, zu benennen und durch Austausch zu verndern und zu reduzieren

      sie untersttzt den Trauerproze, der bei vielen verdrngt bzw. chronisch oder pathologisch geworden ist (da zum Trauerproze auch Wut gehrt, mit der auch viele Vermittlungsstellen, Pflegekinderdienste oder Adoptiv-, Pflegeeltern konfrontiert und meist berfordert sind, bzw. nicht in der Position einer geeigneten UntersttzerIn sind, ist der Raum der Gruppe ein guter Ort der Artikulation)

      sie untersttzt den Abbau von ngsten (z.B. vor der Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt, den Adoptiv- oder Pflegeeltern, dem Kind, einer Therapie)

      und sie untersttzt den Abbau von Informationsmangel, der bei vielen Herkunftseltern sehr verbreitet ist (z.B. ber psychosoziale Hilfsnetze, ber die eigenen Rechte)

Die Gesprchsgruppenbildung von Herkunftseltern ist meines Erachtens erst seit kurzem mglich und wird zunehmend erleichtert durch die gesellschaftliche Entwicklung. Es ist heute in Deutschland durch die ansteigende Zahl der Scheidungen selbstverstndlicher und mit weniger Tabus behaftet, da es Patchworkfamilien gibt und da es Bindungen und Kontakte zwischen Herkunfts- und sozialen Elternteilen und ihren Kindern gibt, die nicht mehr dem traditionellen Bild der Familie entsprechen. Dazu kommt, da alleinerziehende Mtter selbstverstndlicher wurden und da Frauen zunehmend mehr ihre spezifischen Probleme benennen, aus dem Tabubereich holen und sie thematisieren (z.B. sexueller Mibrauch, Beziehungssucht).

 

Verein Netzwerk Herkunftseltern

Aus der Selbsthilfegruppe "Mtter ohne Kinder" entstand der Wunsch nach verbindlicherer Einbindung, besserer Interessenvertretung und Auendarstellung, so da recht rasch die Idee zur Grndung eines Vereins entstand. Durch das deutschlandweite Vernetzen einzelner Herkunftseltern fanden wir in fast jeder Region Deutschlands Herkunftsmtter, die sich bereits seit lngerem aktiv und ffentlich mit dem Thema auseinander gesetzt hatten (z.B. indem sie aktiv versuchten, eine Gruppe zu grnden oder mit Adoptivvermittlern oder Pflegedienstmitarbeitern und Adoptiv- und Pflegeelternvereinen Kontakt aufnahmen). All diese Frauen, im Ganzen waren wir 12, trafen sich im Mrz 1998 in Berlin und grndeten den Verein "Netzwerk Herkunftseltern".

Die von mir im Herbst 1997 in Privatinitiative herausgegebene und durch die Zeitung des englischen Herkunftselternvereins NPN (Natural Parents Network) inspirierte ca. 20-seitige Zeitung IMPULSE wurde 1998 Vereinsorgan und wird bis heute herausgegeben. Ursprnglich hatte ich damit die Absicht, den Austausch zwischen Herkunftseltern zu frdern, damit sie sich mehr ber die eigene Situation, die eigenen Fragen, Probleme und Wnsche informieren und sie fr sich, aber auch Fachstellen und anderen gegenber benennen knnen.

Der Verein hat sich u.a. als Aufgabe gesetzt, Herkunftseltern durch Beratung, Frderung und Hilfe zu untersttzen. Er will dies erreichen durch Vermittlung von Kontakten zwischen Herkunftseltern, Untersttzung bei der Bildung von Selbsthilfegruppen, Bereitstellen weitergehender Informationen, ffentlichkeitsarbeit, Untersttzung bei der Beziehungsaufnahme zwischen Herkunftseltern, ihren Kindern und deren Adoptiv- oder Pflegeeltern, Einflunahme auf die gesetzlichen Entwicklungen und deren Umsetzung und die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Der momentane Vorstand besteht aus 5 Mitgliedern, die an unterschiedlichen Orten in Deutschland leben. Sie leisten ihre Arbeit ehrenamtlich. Die finanziell oft schwierige Situation der Mitglieder und das wenige Geld, das dem Verein zur Verfgung steht, behindert die Arbeit enorm.

Im Rahmen des Vereins stellten wir fest, da offene Adoptionen bestehen, in denen es viel mehr Kontakt gibt als bei etlichen Dauerpflegeverhltnissen, bei denen der Kontakt z.gr.T. zwar rechtlich vorgeschrieben wird, aber faktisch durch die Pflegefamilie und/oder den Pflegekinderdienst verhindert oder erschwert wird.

 

Beratungsstelle fr Herkunftseltern

Die Beratungsstelle fr Herkunftseltern im Nachbarschaftsheim Schneberg e.V. arbeitete von Mai 1998 bis Mai 2000. In dieser Zeit fanden viele telefonische (ca. 1.200) und persnliche (ca. 320) Beratungen fr Herkunftseltern, fr Adoptiv- oder Pflegeeltern (telefonisch: 220, persnlich: 26) und Adoptierte (65/9) statt.

Es wurde schnell deutlich, da ein groer Teil der Herkunftseltern selbst adoptiert waren, bei Pflegeeltern oder in einem Heim aufgewachsen sind. Ein weiterer groer Teil von Herkunftseltern berichtete von frh erfahrenen Trennungen, dem Aufwachsen in einer Suchtfamilie oder mit einem psychisch kranken Elternteil, emotionaler Vernachlssigung oder Gewalt. Der berwiegende Teil der Herkunftsmtter gab darber hinaus an, sexuell mibraucht worden zu sein. Es kamen Herkunftseltern zwischen 15 und 85 Jahren, es waren berwiegend Frauen, ca. 5 % waren Mnner. Viele Herkunftseltern waren psychisch krank oder behindert, suchtkrank oder Suchtmittel stark mibrauchend. Ihre Wnsche und Probleme reichten u.a. vom Entscheidungsproze pro oder contra Adoption oder Pflege, Kontaktaufnahme zum in der Adoptiv- oder Pflegefamilie lebenden oder inzwischen erwachsenen Kind, Kontaktaufnahme und/oder Konfliktlsung zu den Pflege- oder Adoptiveltern und/oder Konfliktlsung in diesen Beziehungen, Konflikte mit dem Jugendamt, Probleme mit dem Geheimnis um das weggegebene Kind gg. anderen Kindern oder dem Partner, Konflikte bei der Besuchsgestaltung, Trauer um das getrennt lebende Kind.

Ich konnte bei den meisten Herkunftseltern folgende Probleme feststellen:

      psychosomatische Krankheiten (z.B. Kinderlosigkeit)

      psychische Beeintrchtigungen in Folge der unbewltigten Trennung (z.B. Phobien, Depressionen, starke Selbstwertproblematik)

      Streitigkeiten vor Gericht (z.B. aufgrund des Gefhls von Miachtung, dem Versuch der Wiederherstellung der eigenen Elternidentitt)

      Zweifel an der Identitt als Frau, als Mutter/Vater

      Erziehungsschwierigkeiten mit weiteren Kindern, die in der Familie leben

      Wiederholung des Erlebten (z.B. eine weitere Schwangerschaft, obwohl sich die eigene Lebenssituation nicht verndert hat und evtl. wieder Kindesentzug durch das Jugendamt droht)

      Behinderung der Kindesentwicklung (z.B. durch nicht einhaltbare Versprechen, fehlender Abschied, abrupte Trennung ohne Erklrung, Weigerung den Vater zu benennen oder neutrale Informationen ber ihn zu geben, fehlende Bereitschaft oder Fhigkeit das Kind den Adoptiv- oder Pflegeeltern zu bergeben, die Pflege- oder Adoptiveltern kennenzulernen und ihnen Informationen ber das Kind zu geben, fehlende Akzeptanz der Adoptiv- oder Pflegeeltern, Verwicklung der Kinder in Konflikte auf Elternebene, so da Loyalittskonflikte beim Kind entstehen)

      Beziehungsstrungen (innerhalb der eigenen Herkunftsfamilie, zum Partner, fehlende Partner, zu erwachsenen Adoptierten, zu Freunden, ...)

Es wurde immer wieder deutlich, da Herkunftseltern sehr motiviert um eine Lsung dieser Probleme mit sich ringen, dies aber ohne Untersttzung oder gegen eine ablehnende Haltung durch die aufnehmende Familie oder die vermittelnde Stelle nicht bewltigen knnen. Speziell bei dem Problem der Behinderung der Kindesentwicklung bedrfen Herkunftseltern der Untersttzung durch Fachkrfte, da eine fehlende Problembewltigung sowohl den Kindern als auch den Herkunftseltern schadet. Herkunftseltern haben ein groes Interesse daran, da es ihren Kindern gut geht.

Ein sehr wichtiger Teil meiner Arbeit war die Begleitung von Herkunftseltern zu Terminen, die fr sie mit Angst und Belastung verbunden waren; z.B. zu Hilfeplankonferenzen im Jugendamt, zu Erstkontakten mit Pflege- oder Adoptivfamilien, zu Erstkontakten mit erwachsenen Adoptierten, zu Gerichtsterminen, zum Abschiednehmen oder der bergabe vom Kind an die aufnehmenden Eltern.

Innerhalb der Beratung waren folgende Inhalte und Ziele relevant:

      die Vorbereitung und Gestaltung des Abschieds vom Kind,

      die Entwicklung von Ritualen fr den Abschied und den bergang,

      die Vorbereitung der Kontaktaufnahme zu den aufnehmenden Eltern, die Stabilisierung des Kontakts,

      die Mitgestaltung von Regeln fr den Umgang zwischen Herkunftseltern und Adoptiv- oder Pflegeeltern

      die Ermutigung zu trauern, die Begleitung dieser Trauer,

      die Entwicklung einer positiv und mit Handlungsmglichkeiten verbundenen Herkunftselternrolle,

      die Verbalisierung der Entscheidung in der persnlichen Umgebung

      das Einfordern von Untersttzung durch andere Fachstellen.

Ca. 25 DiplomantInnen nahmen Kontakt auf und beschftigten sich mit dem Thema Herkunftseltern in Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit.

Fr Herkunftseltern organisierte, leitete oder moderierte ich ca. 35 Gruppentermine verschiedenster Art und untersttzte die Bildung verschiedener (Selbsthilfe-) Gruppen von Herkunftseltern in ganz Deutschland. Durch das Bekanntwerden meiner Arbeit luden mich Interessenverbnde oder Jugendmter als Leitung zu insgesamt 17 Seminaren ein (z.B. Adoptivbewerberseminar, Pflegeelternfortbildung, Adoptivelternfortbildung), Landesjugendmter oder andere Trger luden mich zur Leitung von 17 Seminaren bei Fortbildungsveranstaltungen oder Tagungen fr Fachkrfte ein. Ich entwickelte mit einer Kollegin ein Adoptivbewerberseminar, fr das wir inzwischen zum dritten Mal einen Auftrag erhielten.

Im Rahmen der ffentlichkeitsarbeit konnte durch eigene Gesprche oder Vermittlung von Herkunftseltern fr Interviews zu vielen (20) Artikeln in der Tagespresse, bzw. monatlich erscheinenden Magazinen und zu Radio- und Fernsehbeitrgen beitragen. Inwieweit das Bild von Herkunftseltern in der ffentlichkeit dadurch sprbar verndert wurde ist schwer mebar, aber sicherlich konnte dadurch in prventiver Weise etwas fr mglicherweise knftige Herkunftseltern und fr solche Herkunftseltern getan werden, die ihr Problem gerne ansprechen wollen, aber noch nicht wissen, wohin sie sich wenden knnen, da es nach jeder Verffentlichung viele Anrufe und Briefe gab.

Im Laufe meiner Arbeit stellte ich fest, da diese in Teilen in hnlicher Weise auch bei anderen Projekten durchgefhrt wird. So erfuhr ich z.B., da Prof. Huber ein Konzept zur Besuchskontaktgestaltung entwickelt hat und in Stuttgart BesuchskontaktbegleiterInnen ausbildet. In Berlin bietet der Trger ProFam Herkunftseltern, die dort ihr Kind in Bereitschaftspflege geben, eine separate Beratungsstelle an. Das Mnchner Jugendamt bietet vielfltige Gruppenarbeit fr verschiedene Herkunftselterngruppen an. Prventiv arbeitet das Projekt Wigwam, indem es suchtkranken Eltern im Vorfeld z.B. durch Familienhilfe oder Begleitung zu Hilfeplankonferenzen Untersttzung anbietet, aber auch die Rckfhrung der Kinder vorbereitet und begleitet. In Husum werden Eltern durch Elterntraining in Gruppen prventiv bei der Vermeidung einer Kindesherausnahme bzw. der raschen Rckfhrung des Kindes in den Elternhaushalt untersttzt.

 

2) Vorschlge fr Qualittskriterien

a) Mgliche Ansatzpunkte von Prozequalitt fr den Bereich Prvention von Trennung durch Adoption und/oder Dauerpflege

b) Mgliche Ansatzpunkte von Strukturqualitt fr den Bereich Prvention bei Adoption und/oder Dauerpflege

c) Mgliche Ansatzpunkte von Prozequalitt fr den Bereich Trennungsvorbereitung-, Begleitung und -Beratung bei Adoption und Dauerpflege

d) Mgliche Ansatzpunkte von Strukturqualitt fr den Bereich Trennungsvorbereitung-, Begleitung und -Beratung bei Adoption und Dauerpflege

e) Mgliche Ansatzpunkte von Prozequalitt fr den Bereich Nachbetreuung bei Adoption und Dauerpflege

f) Nachwort

g) Neuere Konzepte und Projekte im Bereich Prvention von Fremdunterbringung und Dauerpflege (mglicherweise bertragbar auf das Adoptionsverfahren)

h) Beispielhafte Faltbltter, Broschren fr Herkunftseltern

i) Literaturliste

Die Arbeit mit Eltern vor ihrer Trennung von ihren Kinder durch die Unterbringung bei Adoptiv- oder Pflegeeltern war schon immer ein Bereich des Adoptions- und Pflegekinderdienstes in Deutschland. Allerdings war dieser Bereich bislang zeitlich und personell wenig bercksichtigt, kaum durch Prventionsangebote ergnzt und nur in Ausnahmen im Mittelpunkt des Aufgabenspektrums. Zwar gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch auf Beratung und Untersttzung nach der Trennung vom Kind, aber faktisch gibt es erst seit kurzem einige wenige und kaum verbreitete Konzepte fr diese Arbeit. Dies spiegelt sich auch in den Angeboten auf diesem Kongre wider.

Die Notwendigkeit fr einen strkeren Ausbau der Prvention von Trennung und Herkunftselternarbeit sehe ich in folgenden Punkten begrndet:

       Verhinderung pathologischer Trennungsfolgen bei Kindern aufgrund abrupter Trennung und/oder vlligem Beziehungs- und/oder Informationsabbruchs (z.B. Identittsstrungen, Loyalittskonflikte, bernahme von Verantwortung fr die Trennung und das Leiden der Herkunftsfamilie, chronische Trauer, Bindungs- und Beziehungsstrungen, ngste oder Idealisierungen aufgrund fehlender Informationen ber die Herkunft, negatives Selbstbild, ngste, usw.)

       Verhinderung der pathologischen Verarbeitung der Trennung bei Herkunftseltern (z.B. Depressionen, Beziehungsstrungen, Erziehungsprobleme mit weiteren Kindern, Selbstwertprobleme, psychosomatische Krankheiten, Kinderlosigkeit, Zeugung und Herausgabe/-nahme weiterer Kinder, Gerichtsstreitigkeiten, schdigende und nicht einhaltbare Versprechungen gegenber den Kindern, Unklarheit mit der Herkunftselternrolle, Aufbau von Familiengeheimnissen, usw.)

       Verhinderung von Erziehungs- und Ablseproblemen bei Adoptiv- und Pflegeeltern von ihren Pflege- bzw. Adoptivkindern, Verhinderung von Unsicherheiten im Umgang mit den Herkunftseltern bzw. Informationen ber die Herkunft des Kindes

       Verminderung der Gewalt, der Verwahrlosung, des Aussetzens und Ttens von Kindern durch das Tabu der berforderung von Mttern und der Diskriminierung von Herkunftseltern als Rabenmtter/-eltern

 

a) Mgliche Ansatzpunkte von Prozequalitt fr den Bereich Prvention   

    von Trennung durch Adoption und/oder Dauerpflege

In Deutschland gibt es sowohl durch das KJHGesetz rechtlich als auch in der Praxis einige wirkungsvolle Instrumente zur Prvention von Trennungen in der Familie, z.B. Familienhilfe, Erziehungsberatung, Erziehungsbeistand, aufsuchende Familientherapie usw.

Es wird aber ein Bedarf an Ausbau der Prvention im Bereich von Adoption und Pflege von verschiedenen Fachstellen (Psychiatrie, Kurzzeit- bzw. Bereitsschaftspflege, Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen ... - s. Mattejat 1998) betont und so entstanden einzelne Konzepte und Projekte. Im folgenden mchte ich die aus meiner Sicht relevantesten qualittsverbessernden Ziele aus der Perspektive der Herkunftselternarbeit benennen und die mir bekannten Projekte im Anhang in der Literaturliste auffhren:

       psychiatrische Abklrung, ob bei der Mutter eine psychische Erkrankung bzw. Krise in der Schwangerschaft oder nach der Geburt vorliegt (z.B. postnatale Depression)

       bei psychischer Krise/Erkrankung, psychiatrisches integrierendes Angebot an Mutter (Vater) und Kind (gemeinsame Aufnahme/Behandlung stationr oder ambulant)

       weitere Entwicklung krankheits- oder millieuangepasster, ressourcenorientierter Informationsmaterial fr Eltern, die vor der Entscheidung stehen - Verteiler: bei FrauenrztInnen, Erziehungs- und Familienberatungsstellen, Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen, Krankenhuser (Geburts-, Psychiatrische und Suchtabteilung), Frauenhuser usw. (Inhalt: rechtliche Informationen, emotionale Folgen fr Eltern und Kind, detaillierte Informationen ber Alternativen, usw.)

       spezifische Broschren fr psychisch und abhngig Kranke Eltern

       Ermglichung von Gesprchsangeboten fr Eltern in der Entscheidungsphase mit einer Herkunftselterngruppe oder einem erfahrenen Herkunftselternteil, der/die die Trennung von seinem/ihrem Kind bereits verarbeitet hat

       gezielte ffentlichkeitsarbeit zur Reduzierung der Diskriminierung, z.B. durch Plakate oder Nutzung anderer Medien, die durch ihre Bild- und Textaussagen der Diskriminierung und Tabuisierung dieser Entscheidung entgegenwirken (mit Fotografien von mehreren Herkunftseltern und der optischen Aussage: mit der Trennung von einem Kind lt es sich leben, es kann offen darber geredet werden, man ist damit nicht allein und ausgestoen)

       strkere, auch aufsuchende Einbeziehung des Vaters, der Geschwister und der Groeltern des Kindes

      Abklrung der Suchterkrankung des Elternteils und Angebot der familiensttzenden Behandlung der Suchterkrankung (z.B. Entwhnungsbehandlung mit Kind)

      Gruppenangebote, spezifische Elternschulung und/oder Training fr die Eltern, die der Verbesserung ihrer Elternkompetenz, ihrer persnlichen Probleme bzw. Krankheiten und/oder der Bewltigung von Elterndefiziten und der Rckfhrung dienen

 

b) Mgliche Ansatzpunkte von Strukturqualitt fr den Bereich Prvention bei

    Adoption und/oder Dauerpflege

       spezifisch aus- und/oder fortgebildete Mitarbeiter fr (Herkunfts)Elternarbeit im Allgemeinen Sozialen Dienst (Erfahrung in der Suchtarbeit, Arbeit mit psychisch Kranken, systemische Zusatzausbildung)

       mehr Personal fr diesen Arbeitsbereich

       Unterbringung in befristeter Pflegestelle mit Ansprechpartner/In in separater Beratungsstelle (freier Trger)

       professionelle Pflegestellen mit Fortbildung im Umgang mit den Eltern

       Fachpersonal fr begleiteten Umgang (Besuchskontaktbegleiter/In)

       ausreichende Finanzmittel fr ffentlichkeitsarbeit

       Angebote freier Trger fr die verschiedensten Prventionsarbeitsbereiche

       aufsuchende Motivationsarbeit

       enge Kooperation oder Zusammenlegung von Pflege- und Adoptionsstellen

       regelmige, strukturierte Zusammenarbeit der Adoptionsvermittlungsstellen mit ambulant und stationr arbeitenden Einrichtungen zur Prvention von Trennung (Psychiatrie, Suchteinrichtungen, Erziehungsberatung, Pflegevermittlungsdiensten, usw.)

 

c) Mgliche Ansatzpunkte von Prozequalitt fr den Bereich Trennungsvorbe-

    reitung-, Begleitung und -Beratung bei Adoption und Dauerpflege

Aus meiner Sicht beginnt Qualitt mit einer nicht diskriminierenden Benennung von Eltern, die ihr Kind zur Adoption geben. Allermeist wird noch von leiblichen Eltern gesprochen, von ab- oder freigebenden Mttern. Sehr viele dieser bislang blichen Begriffe greifen zu kurz, reduzieren die Elternschaft auf den rein biologischen Aspekt, haben einen negativen, abwertenden Beiklang und vernachlssigen die Beteiligung der Vter zu Ungunsten der Mtter.

Aus meiner Sicht bleiben Eltern so lange Eltern, also Mtter und Vter (und nicht nur Erzeuger oder leibliche Eltern), bis die Adoption oder Pflege rechtlich und auf Dauer entschieden ist. Erst ab diesem Zeitpunkt verndert sich ihre Elternschaft - die aus meiner Sicht subjektiv ebenso wie andere Elternschaften als lebenslang bestehend erlebt wird - in eine, die ich mit Herkunftselternschaft bezeichnen wrde. Dieser Begriff beinhaltet den genetischen und biologischen Aspekt, geht aber darber hinaus und weist auf die Bedeutung der Herkunftsgeschichte, der gemeinsam verbrachten Zeit und den sozialen Hintergrund hin.

Weitere Ansatzpunkte knnten sein:

       konkrete, altersgeme, schriftliche wie auch mndliche, geschlechtsspezifische, ansprechende und umfassende Informationen ber den Vorgang der Vermittlung und Trennung - mit den kurz- und langfristigen, den rechtlichen und emotionalen Folgen fr              - das Kind

                        - die Eltern

    und den daraus sich ergebenden Empfehlungen (z.B. Abschiednahme, Geschenke, Be-   

    suche, offene Adoption, usw.)

       Ermglichung des Zugangs zu einer Herkunftselterngruppe und/oder des Austauschs mit anderen Herkunftseltern, die die Adoption/Dauerpflege positiv bewltigt haben

       bei lngerem Beratungsproze Informationen zu Literatur von und ber Herkunftseltern und Adoptierte

       Einbeziehung der Eltern bei der Auswahl der aufnehmenden Adoptiv- bzw. Pflegeeltern

       Vorbereitung und Moderation des ersten Kontakts bzw. der spteren erneuten Kontaktaufnahme zwischen Eltern mit den mglichen Adoptiv-/Pflegeeltern

       Klrung ggs. Erwartungen und verschiedener knftiger Rollen von Herkunfts-, Pflege- und Adoptiveltern zueinander und gegenber dem Kind

       (schriftliche) Vereinbarung von Abschieds- und Besuchsterminen, des ersten gemeinsam Kontaktes mit dem Kind, Regeln fr den Kontakt (z.B. Dauer, Umgang mit Konflikten), Festlegung einer berprfung und der Kriterien fr Zufriedenheit

       Untersttzung in der Schwangerschaft, bei der Geburt und Nachbetreuung durch das Angebot einer ambulant arbeitenden Hebamme (ansonsten oft keine Geburtsvorbereitung, ngste vor der Geburt, vorzeitiger Abbruch des Krankenhausaufenthalts, usw.)

       vermehrte Gesprchsangebote im Krankenhaus (Motivierung zur Abschiednahme, Namensgebung, usw.)

       Begleitung bei der Auswahl des Krankenhauses, Vorbereitung der KrankenhausmitarbeiterInnen und Untersttzung bei der Wahl der Unterbringung (z.B. Rooming-in, separate Frauenstation, ambulante Geburt, usw.)

       (aufsuchende, prozehafte) Motivationsarbeit zur Gewinnung beider Eltern (der Geschwister und der Groeltern) zum Abschiednehmen vom Kind, Vorbereitung eines bewuten Abschieds (z.B. mit Ritual, Besprechen welche Stze bzw. Inhalte sinnvoll sind, bzw. Beispiele aufzeigen, ggf. Geschenk und/oder bergabe vorbereiten, z.B. Fotografieren anregen oder Fuabdruck ...), Begleitung des Abschieds und Nachbetreuung

       Angebot der Begleitung zur bergabe des Kindes durch die Herkunftseltern an die aufnehmenden Eltern

       Begleitung zur notariellen Unterschrift

       Motivierung und Begleitung der Trauerarbeit  und Angebote zur Aufarbeitung von ev. zugrundeliegender Problematik (Sucht, sexueller Mibrauch, emotionale Vernachlssigung in der Kindheit, eigene Adoption, usw.), Angebot und ggf. Vermittlung einer/s trauerarbeitserfahrenen Psychotherapeuten/In, ggf. einer Paarberatung

       intensivere Beratung und Untersttzung whrend der 8-Wochen-Frist (innerhalb derer in der BRD eine Einwilligung zur Adoption nicht mglich ist), z.B. Thematisierung der Adoption in der Partnerschaft, der Familie, Wnsche nach einem Nachholen des Abschieds, usw.

       Beratung zur Herkunftselternrolle und -identitt

       Vermittlung des Kontaktes bei halboffenen Adoptionen und sich ffnenden Inkognitoadoptionen (Weiterleitung aller Briefe der Adoptierten an Herkunftseltern, es sei denn, Herkunftseltern erklren ausdrcklich (mglichst schriftlich zur Einsicht fr die Adoptierten), da sie dies nicht mchten - Weiterleitung der Briefe von Herkunftseltern an erwachsene Adoptierte; Klrung des Umgangs mit Briefen bei minderjhrigen Adoptierten)

       Motivierung, Untersttzung und Begleitung fr eine sptere ffnung der Adoption und einer spteren eigenstndigen Kontaktgestaltung

       Besuchskontaktbegleitung (Vor- und Nachbereitung, Erarbeitung einer zufriedenstellenden, kindgerechten Form und Hufigkeit des Kontaktes)

       Ermutigung und Information ber Hilfen fr eine spteren Kontaktaufnahme zum Adoptierten

 

d) Mgliche Ansatzpunkte von Strukturqualitt fr den Bereich Trennungsvor-

     bereitung-, Begleitung und -Beratung bei Adoption und Dauerpflege

       Fortbildung bei Schwangerschaftskonfliktberatung in Bezug auf Konflikt- bzw. Ambivalenzberatung in Bezug auf Adoption (auch in der spten Schwangerschaft)

       Konzepterarbeitung bei Erziehungs- und Familienberatungsstellen fr Ambivalenz-, Trauer- und nachgehende Beratung von Herkunftseltern

       Konzeptentwicklung fr Gruppenarbeit mit Herkunftseltern

       Angebote zur weitergehenden Aufarbeitung: Adressen von TherapeutInnen, Literaturliste, Adressen von SHG, von einzelnen ansprechbaren Herkunftseltern

       Kooperation mit Selbsthilfegruppen von Herkunftseltern und Anbietern angeleiteter Gruppenangebote fr Herkunftseltern

 

e) Mgliche Ansatzpunkte von Prozequalitt fr den Bereich Nachbetreuung

    bei Adoption und Dauerpflege

       Beratung zur Entwicklung der Herkunftselternrolle/Identitt (Klrung der konkreten Verantwortung als Herkunftseltern: Akzeptanz der Adoptiv- bzw. Pflegeeltern, sich visuell dem Kind zeigen, dem Kind die gemeinsame Geschichte geben, ihm kindgerecht erklren, wie es zur Trennung kam, das Kind ber die Namen und Geschichten seiner Herkunftsverwandtschaft informieren, Akzeptanz einer Besuchssperre falls dem Kind traumatisierender Schaden zugefgt wurde, usw.)

       Untersttzung und Motivierung zur offenen Adoption

       Besuchskontaktbegleitung (Vor- und Nachbereitung)

       Ermutigung und Begleitung bei der Suche und Kontaktaufnahme zu Adoptierten/Dauerpflegekindern (Angebot Kontaktaufnahme - Untersttzung bei der Auswahl der Art der Kontaktaufnahme, Untersttzung beim Abfassen eines Schreibens oder eines Telefonats, Information ber mgliche emotionale Situation von Adoptierten und ber mgliche Schwierigkeiten bei oder nach der Begegnung, ...) klare Information und Absprache ber Wartefristen (Aktensuche, schriftliche Beantwortung ...)

       Untersttzung und Begleitung beim ersten Kennenlernen bzw. bei der spteren, erneuten Kontaktaufnahme zwischen Herkunfts- und Pflege-/Adoptiveltern, zwischen Herkunftseltern und Adoptierten/Pflegekindern (Ermglichung einer Vertrauen schaffenden Atmosphre bei der Kontaktaufnahme, Hilfe bei der Auswahl der Kontaktaufnahme, z.B. per Brief, per Telefon, persnlich, Untersttzung bei der Klrung der Wnsche und ngste, der Haltung zueinander, der konkreten Rolle die die verschiedenen Eltern fr das Kind einnimmt, des ersten Kontaktes zu dritt)

       Angebote zur weitergehenden Aufarbeitung: Adressen von TherapeutInnen, Literaturliste, Adressen von Herkunftselterngruppen, von individuell ansprechbaren Herkunftseltern

       Untersttzung und Ermutigung zum Austausch und der Aufarbeitung der Trennung mit anderen Betroffenen (z.B. durch Untersttzung bei der Grndung von Selbsthilfegruppe, bzw. Aufbau einer angeleiteten Gruppen)

 

f) Nachwort

Folgende Schlufolgerungen konnte ich nach meiner Ttigkeit in der Beratungsstelle fr Herkunftseltern ziehen:

       Kindeswohlfrderliche Beziehungen sind sowohl zwischen Herkunfts- und Pflegeeltern, zwischen Herkunfts- und Adoptiveltern, zwischen Herkunftseltern und Adoptierten, zwischen Herkunftseltern und Pflegekindern mglich, wenn dem Kind keine traumatisierenden Schden durch die Herkunftseltern zugefgt wurden.

       Beziehungen zwischen Adoptierten, Pflegekindern und Herkunftseltern haben eine eigene Dynamik, geschehen abweichend von typischen Eltern-Kind-Beziehungen, Gefhlen und Beziehungsverlufen.

       Ohne Erarbeitung einer spezifischen Herkunftselternrolle und Akzeptanz dieser Rolle durch die aufnehmende Familie behindern Konflikte die Beziehungen untereinander.

       Herkunftseltern knnen mit der Trennung von ihrem Kind leben lernen, wenn sie Untersttzung in ihrer Trauer erhalten, sich ber die Trennung austauschen knnen und ihre Trauer, ihr Schmerz anerkannt wird. Sie knnen dies leichter, wenn sie an der Entscheidung der Trennung beteiligt sind und wenn sie Abschied nehmen konnten.

       Viele Herkunftseltern haben ein bleibendes Interesse am Kind auch wenn sie den Kontakt abbrechen oder sich nicht melden. Es ist ein Schutzbehauptung, wenn ber Herkunftseltern gesagt wird, sie htten kein Interesse an ihrem Kind, weil sie den Kontakt abbrechen oder sich nicht melden. Meist liegt die Ursache dafr im nicht aushaltbaren Schmerz ber die Trennung und die sich wiederholende Abschiede nach Besuchen, die Scham ber ein Gefhl des Versagens, den Eindruck nichts gegen "die bermacht aus Amt und gutsituierten aufnehmenden Familien" tun zu knnen, die Angst vor der Ablehnung durch JugendamtsmitarbeiterInnen, Adoptiv- oder Pflegeeltern, die fehlende Untersttzung durch Fachkrfte.

       Gruppenarbeit mit Herkunftseltern ist mglich und sinnvoll.

       Fr Herkunftseltern bleibt, hnlich wie fr andere Eltern, das Gefhl Mutter bzw. Vater zu sein lebenslang bestehen.

       MitarbeiterInnen der Allgemeinen Sozialen Dienste und Adoptionsvermittlern/Innen fllt es bislang oft sehr schwer die Gefhle von Herkunftseltern wahrzunehmen, sich emphatisch einzufhlen und sie adquat zu untersttzen.

       Die Trauer und der Schmerz von Herkunftseltern wird bislang in Deutschland noch weitestgehend tabuisiert und geleugnet.

       Politisch wird Herkunftselternarbeit z.Zt. als wenig untersttzenswert erachtet und, z.B. durch Zunahme von Babyklappen ohne gleichzeitige entdiskriminierende ffentlichkeitsarbeit der Adoptionsentscheidung, die Stigmatisierung von Rabenmttern weiter gefrdert.

 

g) Neuere Konzepte und Projekte im Bereich Prvention von Fremdunterbringung und Dauerpflege (mglicherweise bertragbar fr Adoption)

       Ausbildung zu BesuchskontaktbegleiterInnen - Prof. August Huber, Kernerstr. 15, 72555 Metzingen - in Zusammenarbeit mit der Pflegeelternschule Stuttgard

       Pro Fam - Professionelle Familienpflege Regionalverbund (der Ansatz beinhaltet eine separate Elternberatungsstelle) - proFam, Helene-Weigel-Platz 14, 12681 Berlin, Tel.: 030 - 54 37 94 07, Fax.: 030 - 54 37 94 58

       Elterntraininigskurs nach Egert-Rosenthal und Elternschule (Zielgruppe fr Elterntraining: Familien mit Erziehungsproblemen, Verhaltensaufflligkeiten der Kinder, drohender oder faktischer Fremdunterbringung der Kinder - Ziel: Vernderung der erzieherischen und Problemlsekompetenz der Eltern, ...), Dauer: 6 Monate wchentlich 2 Stunden) - Adresse: Kreis Nordfriesland, Amt fr Jugend und Familie, Marktstr. 6, 25813 Husum, Tel.: 04841-67-0

       Verschiedene Gruppenangebote fr Herkunftseltern, deren Kinder vorbergehend, dauerhaft bei Pflegeeltern, im Heim, bei Adoptiveltern untergebracht sind (auch mit Wochenend- und Ferienbeurlaubungen) - Landeshauptstadt Mnchen, Sozialreferat, Stadtjugendamt, Orleansplatz 11, Mnchen, 089 - 233 25377, 233 216 84

       Wigwam - Untersttzung fr Familien mit Suchtproblematik (Betreuung suchtmittelabhngiger Schwangere, Gruppenarbeit, Paar- u. Familientherapie, Krisenintervention, Begleitung zu Behrden, Eltern-Kind-Reisen, Kinderuntersttzung, Vermittlung an Kinder/Jugendtherapeuten, Entzugsvorbereitung - und Begleitung, Therapieplatzvermittlung, Einzelfall und Familienhilfe, ...) c/o Arbeitsgemeinschaft Drogenprobleme e.V., Warthestr. 4-5, 12051 Berlin, Tel.: 030 - 625 90 91, Fax.: 030 - 626 96 48, Email:

 

h) Beispielhafte Faltbltter, Broschren fr Herkunftseltern

       Faltblatt: Soll unser Kind in eine Pflegefamilie (Information fr Mtter und Vter - 1 Doppelseite) - Landratsamt Schweinfurt - Kreisjugendamt, Sozialer Dienst, Schrammstr. 1, 97421 Schweinfurt, 09721 - 55-0 (Beate Gebauer, Irene Memmel, Harry Hoh)

       Werbefaltbltter: Gruppenangebote fr Eltern, deren Kinder in Heimen, Wohngruppen oder hnlichen Einrichtungen leben, Herausgeber: Landeshauptstadt Mnchen, Sozialreferat, Stadtjugendamt, Orleansplatz 11, Mnchen, 089 - 233 25377, 233 216 84

       Broschre fr Eltern, deren Kinder in (Kurz-)Pflegestellen leben: Und doch sind wir die Eltern (Informationen und Hinweise fr Eltern, deren Kinder in Fremdunterbringung leben - 32 Seiten). Herausgeber: proFam Regionalverbung, Helene-Weigel-Platz 14, 12681 Berlin, Tel.: 030 - 54 37 94 07, Fax.: 030 - 54 37 94 58

       Broschre fr psychisch kranke Eltern: Wie geht es dann den Kindern? (Wenn eine Mutter oder ein Vater psychische Probleme hat ...  16 Seiten (gg. 3 DM plus Verdandtkosten zu erhalten bei: Psychiatrie Verlag, Postfach 2145, 53011 Bonn, Fax.: 0228 - 725 34 20) - Herausgeber: Dachverband Psychozozialer Hilfsvereinigungen e.V. Thomas Mann Str. 49 a, 53111 Bonn

       Broschre fr Kinder (8-12 Jahre) und Jugendliche (12 -18 Jahre) von psychisch kranken Eltern - Bestelladresse und Herausgeber siehe vorhergehende Broschre (16 bzw. 20 Seiten)

       Broschre "Adoption?" der SHG Mtter ohne Kinder, c/o Elke Lehnst, Palmkernzeile 7, 10245 Berlin,

Broschre fr Eltern vor der Adoptionsentscheidung: Adoption - Eine Lsung fr mich und mein Kind? (20 Seiten) - Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle, Feuerbergstr. 43, 22337 Hamburg, 040 - 428 49 - 286 (letzte Neuauflage: Mrz 2000)

       Fritz Mattejat, Beate Lisofsky (Hgs.) -  .... nicht von schlechten Eltern (Kinder psychisch Kranker), Bonn 2000, Psychiatrie Verlag (mit Adressen von psychiatrischen Kliniken und Ambulanzen, die familienorientiert arbeiten und Kinder mit aufnehmen/behandeln ...)

 

i) Literaturliste

Conen, Marie-Luise

Elternarbeit in der Heimerziehung (Eine empirische Studie zur Praxis der Eltern- und Familienarbeit in Einrichtungen der Erziehungshilfe) - IGfH-Eigenverlag - Frankfurt - 3. Auflage, 1996 (1. Aufl. 1990)

Mattejat, Frist - Lisofsky, Beate

... nicht von schlechten Eltern (Kinder psychisch Kranker)

Psychiatrieverlag, 1998, 2. Auflage 2000, Bonn

Putzhuber, Hermann

Zukunft mit Herkunft, Fremdunterbringung und/oder Arbeit mit dem Herkunftssystem

163 S., Tyrolia Verlag, ISBN 370 221 530, Insbruck, 1997

Es ist in den letzten Jahren zunehmend die Relevanz und Ressource von Herkunftselternarbeit im Adoptions- und Pflegekindersystem erkannt worden. Eine aus meiner Sicht sehr wichtige Folge dieser Arbeit ist die Herstellung und Verbesserung der Kommunikation zwischen allen an einer Adoption oder Pflege Beteiligten - also

       zwischen Herkunftseltern und Adoptiv- oder Pflegeeltern,

       zwischen Herkunftseltern und Adoptierten/Pflegekindern,

       zwischen Herkunftseltern und Fachkrften,

       zwischen Herkunftseltern und anderen Herkunftseltern.

Es ist also zu hoffen, da die bisherigen Arbeitsanstze zum Wohle aller ausgebaut und verbessert werden.

Ich habe mich sehr ber die Einladung zu diesem Kongre gefreut und hoffe mit diesem Beitrag zur knftigen Diskussion der Qualittsdimension im Adoptions- und Pflegekinderwesen beizutragen.

Berlin, 15.12.2000          Elke Lehnst