Qualittsentwicklung im Pflegekinderwesen

 

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Einleitung_ 2

 

bertragung industrieller Konzepte der Qualitt in den Sozialbereich__________ 2

Problematisches_____ 2

Positive Anstsse_ 3

Bereits Vorhandenes________ 3

 

Spezifische Qualittsfragen im Bereich des Pflegekinderwesens______ 3

Komplexe Leistungserbringung__ 3

Die Familie als Leistungstrger______ 3

Die Sicht des Kindes 4

Die unklare zeitliche Perspektive_________ 5

Fehlende Vereinbarungen______ 5

 

Anspruchsgruppen im Pflegekinderwesen_______ 5

 

Quellen fr Werte und Normen____ 6

 

Bestehende und potentielle Trger der Qualittsentwicklung im Pflegekinderwesen der Schweiz____ 7

Behrden_ 7

Private Koordinationsanstze_ 7

 

Perspektiven der Qualittsdiskussion im Pflegekinderwesen_______ 8

Qualittssicherung___ 8

Qualittsevaluation___ 9

Qualittsentwicklung__ 9

Institutionelle Perspektiven________ 9

Forum Pflegekinderwesen Schweiz_ 9

Interkantonale und regionale Fachstellen (Pflegekinderdienste)__ 9

Fachkonferenzen_____ 9

 

Anhang__ 10

Tabelle: Anspruchsgruppen, ihre Organisationen und ihre Interessen 10


Einleitung

 

Das vorliegende Diskussions- und Arbeitspapier ist im Zusammenhang mit dem Fachkongress zum Thema "Qualittsentwicklung im Pflegekinder- und Adoptionswesen" , der vom 2. bis 4. November 2000 in Zrich durchgefhrt wird, entstanden. Es soll dazu beitragen, dass die Referate und die Beitrge in den Workshops auf das zentrale Thema "Qualitt" ausgerichtet sind. Zu diesem Zweck wird es in der Vorbereitungsphase an alle ReferentInnen, ModeratorInnen und LeiterInnen der Workshops versandt. Noch nicht entschieden ist, ob das Arbeitspapier auch den Kongressunterlagen der TeilnehmerInnen beigelegt wird.

 

Die Vorbereitungsgruppe ist sehr interessiert an Rckmeldungen, Anmerkungen, Przisierungen und Korrekturen zu diesem Arbeitspapier und ldt alle LeserInnen zu einer Stellungnahme ein. Sie hofft, damit einen Beitrag zu einer vertieften Qualittsdiskussion im Pflegekinderwesen zu leisten.

 

 

bertragung industrieller Qualittskonzepte

in den Sozialbereich

Seit mehr als 10 Jahren werden industrielle Konzepte der Qualittssicherung und Qualittsentwicklung in die Verwaltungen und in das Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen bertragen. Dieser Prozess wird untersttzt durch die Verwaltungsreform, die unter der Bezeichnung NPM New Public Management bekannt geworden ist. Diese bertragung eines Konzepts, das in einer andern Branche entstanden ist, wirft einige Probleme auf, gibt aber andererseits wertvolle Anstsse.

Die Qualittsdefinition, wie sie der ISO Norm 9000ff.[1] zugrunde liegt, liest sich sehr abstrakt und kann nicht ohne weiteres in den Sozialbereich bertragen werden:

 

Gesamtheit vom Merkmalen (und Merkmalswerten) einer Einheit bezglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfllen.

Problematisches

a)         die enge Verknpfung des Qualittsbegriffs mit dem Konzept des Marktes und der Kundenorientierung. Qualitt ist in diesem Verstndnis das, was der Kunde von einer Ware oder Dienstleistung erwartet. Der Markt reguliert scheinbar das Verhltnis zwischen Angebot und Nachfrage ber Qualitt und Preis. Im Sozial- Gesundheits- und Bildungswesen und in der ffentlichen Verwaltung sind nur ein Teil der produzierten Gter marktfhige Gter, fr die dieser Qualittsbegriff bernommen werden kann. Ein wichtiger Teil der produzierten Gter sind nicht-marktfhige kollektive Leistungen (meteorische Gter), fr die kein Markt besteht, nicht bestehen kann, weil sie der ganzen Bevlkerung zugute kommen sollen. Beispiele dafr sind: saubere Luft, ffentliche Sicherheit, ffentliche Wohlfahrt. Ebenso greift die Vorstellung eines Kunden, der fr ein bestimmtes Gut einen Preis bezahlt, zu kurz. Hufig sind an einer Leistung mehrere Leistungsempfnger beteiligt und/oder interessiert. Zum Beispiel dient die Jugendsozialarbeit zwar in erster Linie dem Jugendlichen, aber auch seinen Eltern und unter dem Aspekt der Prvention auch der ffentlichkeit. Besser ist es deshalb statt KundInnen Anspruchsgruppen zu definieren (siehe S. 5). Typischerweise sind im Sozial- Gesundheits- und Bildungswesen und in der ffentlichen Verwaltung an einer Leistung meist mehrere Anspruchsgruppen interessiert.

 

b) die Qualifizierung der Leistungen. Bereits in der Privatwirtschaft zeigt sich dieses Problem im bergang von industriellen Gtern in den Dienstleistungsbereich. Qualitt bei Massenprodukten kann relativ einfach mit physikalischen Messgrssen definiert und getestet werden (Konzentration, Bruchfestigkeit, Lichtechtheit, etc.). Im Dienstleistungsbereich besteht ein doppeltes Problem: Das Wesentliche ist oft nicht mess- oder zhlbar (z.B. bei der Leistung eines Coiffeurs).Zudem muss der Kunde sich an der Dienstleistung beteiligen und beeinflusst damit die Qualitt des Ergebnisses (Ohne die aktive Beteiligung der Kundin beispielsweise geht die Beratung im Reisebro voraussichtlich schief). hnliche Probleme gibt es auch im Gesundheits- und Sozialbereich: Messbar sind oft nur Nebenaspekte der Hauptleistung. Damit liegt die Versuchung nahe, das zu messen, was man messen kann (Personalschlssel, Aufenthaltsdauer in Tagen), sich damit zufrieden zu geben und die wesentlichen Qualitten der Kernleistung (Entwicklung, Prozesse, Heilung, Erziehung, Betreuung) auszublenden.

Positive Anstsse

Aus der Qualittsdiskussion, die in den Not-for-Profit-Bereich getragen worden ist, sind aber auch eine ganze Anzahl von positiven Anstssen hervorgegangen, die der Weiterentwicklung dienten:

a)         Qualittsmanagement ist Fhrungsaufgabe und muss die ganze Organisation durchdringen (Total Quality Management).

b)         Alle Dimensionen der Qualitt sind gleich wichtig: Struktur, Prozess und Ergebnis. Im Sozialbereich wird traditionellerweise die prozessuale Dimension berbetont und die strukturelle vernachlssigt.

c)         Qualittsentwicklung wird als Regelkreis verstanden: Abweichungen von Qualittsstandards oder Untererfllung von Qualittszielen mssen korrigierende Massnahmen auslsen.

d)         Die manchmal etwas rigide Struktur der Indikatoren, Kriterien und Standards zwingt die sozial Ttigen, ihre Arbeit systematisch darzustellen, zu gliedern und zu evaluieren, was der Verstndlichkeit und dem Erfahrungstransfer dient.

Vorhandene Anstze im Sozialbereich

Es ist nun aber nicht so, dass vor der Aufnahme der Qualittsdiskussion im Sozialbereich, die eigenen Leistungen nicht kritisch bewertet und weiterentwickelt worden wren. Es sind vor allem drei unterschiedliche Traditionen, auf denen die Qualittsentwicklung im Sozialbereich aufbauen kann:

 

Supervision (z.B. Belardi 1996, Schreygg 1992, 1996)ist ein verbreitetes Instrument der Reflexion und Kontrolle der Arbeit an und mit Klienten. Der Beratungsprozess ist Gegenstand der kritischen Beurteilung durch die Berufsangehrigen selbst, durch den Supervisor und im Falle der Gruppensupervision durch einige BerufskollegInnen. Gruppensupervision hat viele hnlichkeiten mit einem Qualitts-Audit oder mit einem Qualittszirkel.

 

In praktisch allen Berufen des Sozial- und Gesundheitswesens gibt es elaborierte Berufsethiken und eine lebendige Diskussion zu berufsethischen Themen. Berufsethiken definieren unter anderem Minimalstandards der Beratung oder Behandlung. Sie sind, zusammen mit den Sanktionsinstanzen, Instrumente der Qualittssicherung. Viele Institutionen haben Leitbilder und Konzepte entwickeltet und berprfen diese periodisch.

 

Schon vor der Qualittsdiskussion wurden im Sozialbereich die eigenen Leistungen und vor allem die eingefhrten Neuerungen evaluiert. Damit wurden Konzepte der Programm-Evaluation der Politikwissenschaften aufgegriffen und weiterentwickelt. Insbesondere wurde zustzlich zur Fremdevaluation auch Selbstevaluation (Heiner, 1988) propagiert. Damit sind zentrale Forderungen des Total Quality Management (Alle Betriebsangehrigen sind EvaluatorInnen und Qualittsverantwortliche) im Sozialbereich eingefhrt worden, bevor dieser Begriff bekannt war.

 

Zur bertragung und Anwendung von Qualittskonzepten in den Sozialbereich gibt es schon eine ganze Reihe von Publikationen (z.B. Drabner, 1997, Meinhold 1998, Bobzin 1996 etc.). Wir beschrnken uns deshalb darauf, die speziellen Fragen zu beleuchten, die sich fr den Bereich des Pflegekinderwesen stellen:

 

 

Spezifische Qualittsfragen im Bereich des

Pflegekinderwesens

Komplexe Leistungserbringung

Im Pflegekinderwesen wirken neben den Hauptbeteiligten, der Herkunftsfamilie, dem Pflegekind und den Pflegeeltern Fachpersonen (Sozialdienste) und Behrden mit. Die Qualittsdiskussion kann und darf sich deshalb nicht nur auf die innerbetrieblichen Strukturen und Ablufe beschrnken. Damit stellt sich die Frage, wer in diesem Prozess jeweils welche Rolle einnimmt. Der Grundsatz Wenn alle ihre Sache gut machen, dann wird auch das Ganze gut greift zu kurz, weil er nicht bercksichtigt, dass die verschiedenen Beteiligten und Institutionen sich an unterschiedlichen Vorstellungen ber das, was gut sei, orientieren. Unterschiedliche Ziele und Auftrge der Institutionen knnen dazu fhren, dass in ihrem Zusammenwirken ein Konfliktfeld entsteht, das den Hauptbeteiligten nicht nur nicht hilft, sondern schadet.

 

 

 

 

Eltern BeistndIn/Soz.Dienst

= KundIn = AuftraggeberIn

 

KIND

 

Pflegeeltern Vermittlungsstelle

= ProduzentIn = AnbieterIn

 

Schema: Fachstelle (Vermittlungsstelle) als AnbieterIn von Leistungen

 

Schwierige Leistungsdefinitionen

Das definieren der verschiedenen Leistungen gegenber den Anspruchsgruppen, zu denen in einem Gesamtsysten Pflegekinderwesen auch die ProduzentInnen etc. gehren, ist schwierig und komplex, wie das Beispiel einer Vermittlungs- und Platzierungsstelle als eine mgliche AnbieterIn von Dienstleistungen unter den Bedingungen eines Jugendhilfemarktes zeigt. Es stellen sich u.a. folgende Fragestellungen:

    Welche Qualitt haben meine Produkte?

    Welche Standardleistungen erbringe ich, wie sehen Zusatzleistungen aus?

    Welche Lieferzeiten kann ich vereinbaren?

    Wie ist der Preis fr meine Leistungen?

      Wie sehen vergleichbare Leistungen bei anderen AnbieterInnen aus, wie teuer sind sie dort?

 

Qualitt der systemischen Interaktionen und Zusammenarbeit der Beteiligten

Neben der Qualittsentwicklung in der Vermittlungsstelle, in der Pflegefamilie und bei anderen am Pflegeverhltnis Beteiligten muss eine interprofessionelle und interinstitutionelle Zusammenarbeit angestossen und gefrdert werden. Die Qualitt der Zusammenarbeit zwischen Angehrigen verschiedener Berufe und verschiedener Institutionen ist dabei zentral fr die Qualitt der Gesamtleistung .

Die Familie als Leistungstrger

Hauptleistungstrger nach erfolgter Platzierung sind die Familie oder Personen die ein Pflegekind bei sich aufnehmen. Sowohl quantitativ wie qualitativ wird in der Familie der wichtigste Anteil an der Gesamtleistung des Pflegekinderwesens erbracht. Die Pflegeeltern verstehen ihre Aufgabe in der Regel Ausnahme sind die Heilpdagogischen Pflegefamilien - nicht als eine berufliche, sondern als eine private Ttigkeit, hnlich der Nachbarschaftshilfe. Sie erbringen aber fr die Gesellschaft im Rahmen der Jugendhilfe eine wichtige Leistung, indem sie ihren privaten Rahmen fr eine ffentliche Aufgabe zur Verfgung stellen.

Ist es nun legitim, in diesem privaten Kontext von Qualitt zu sprechen, diese zu berprfen, einzufordern und frdern zu wollen? Besteht fr die Pflegeeltern eine besondere Verantwortlichkeit gegenber der Gesellschaft, die ihr ein Kind anvertraut hat, die ber die Verantwortung von Eltern hinausgeht?

 

Qualitt von Erziehung und Betreuung

An welchen Kriterien, Indikatoren und Standards kann die Qualitt von Erziehung und Betreuung gemessen werden? Knnen es mehr sein, als die Minimalstandards des Kindesrechts, der jeweiligen Rechtsgrundlagen, der Pflegekinderverordnung zum Beispiel? Welche gesellschaftliche Instanz ist legitimiert diese Qualittsstandards zu definieren?

Die Sicht des Kindes

Aus der Sicht der Kinder gelten andere Qualittskriterien. Sie orientieren sich nicht an Konzepten und Leitbildern sondern an dem, was sie Tag fr Tag erfahren. Qualitt ist fr sie, die im Alltag gelebte Kultur in der (Pflege-)Familie. Der Schutz der Bindungen an seine (Pflege-) Eltern und (Pflege-) Geschwister und die Stabilitt und Kontinuitt in seinen Lebensbedingungen. Zu beachten ist vor allem bei Fremdplatzierungen auch, dass Kinder eine andere zeitliche Perspektiven und Wahrnehmungen haben. Damit die Interessen des Kindes gewahrt werden, mssen sie bei Entscheidungen, von denen sie betroffen sind, soweit mglich einbezogen werden oder die Partizipation einer Person ihres Vertrauens gewhrleistet sein.

Die unklare zeitliche Perspektive

Die zeitliche Dauer einer Platzierung in einer Pflegefamilie ist sehr unterschiedlich. Qualittsberlegungen mssen das bercksichtigen. Der Prozess beginnt nicht erst mit einer erfolgreichen Platzierung, sondern sehr oft mit ambulanten Hilfen und Therapien und endet nicht mit der formalen Auflsung des Pflegeverhltnisses. Wesentliche Qualitten des Pflegekinderwesens definieren sich deshalb durch eine gute Abklrung der Situation des Kindes und durch die Klrung der Perspektive des Kindes, die Bereitstellung entsprechender Hilfsangebote und die periodische berprfung der getroffen Massnahmen. Dieser Regelkreis kann eine lange Zeitdauer umfassen: Qualittsmngel wirken sich unter Umstnden aber erst Jahre spter aus: z.B. mangelnde Untersttzung eines Pflegeverhltnisses, die zum Abbruch fhren kann.

 

Fr die Qualittsdiskussion bedeutet dies, dass punktuelle Qualittsbeurteilungen oder Beurteilungen einzelner Zeitabschnitte nur einen Teil der Wirklichkeit sein knnen, ebenso wichtig ist die Beurteilung langfristiger Verlufe. Damit sind methodische Schwierigkeiten verbunden: Beteiligte Berufspersonen verlassen ihre Stelle und werden abgelst, Institutionen lsen sich auf und gruppieren sich um, Gesetze werden revidiert, die Forschung liefert neue Erkenntnisse und gesellschaftliche Werte und Normen ndern sich. Das heisst, dass retrospektive Erkenntnisse z.B. ber das Vermittlungsverfahren vor zwanzig Jahren, die heute gewonnen werden, nur noch beschrnkt relevant sind.

Fehlende Vereinbarungen

In der Schweiz gibt es keine Verpflichtung, einen Hilfeplan oder einen Pflegevertrag zu erstellen. Es stellt sich deshalb auch hier die Frage, wie z.B. die Qualitt eines Pflegeverhltnisses definiert werden kann, wenn (berprfbare) Zielvereinbarungen fehlen. Stehen doch bei einem Hilfeplan die Bedrfnisse des einzelnen Kindes und die mit der Platzierung verbunden Ziele im Zentrum, whrend der Pflegevertrag in der Regel das Pflegeverhltnis als solches regelt. Pflegevertrag und Hilfeplan ergnzen sich also, beide schaffen Tranzparenz fr die am Pflegeverhltnis beteiligten Personen, dienen der berprfbarkeit der Ziele und der damit verbundenen Prozesse.

 

Vereinbarungen ermglichen interprofessionelle und interinstutionelle Zusammenarbeit

Der Hilfeplan zum Beispiel ist und dies im Gegensatz zum Pflegevertrag - nicht nur eine Vereinbarung, sondern auch eine Arbeitsmethode, die es ermglicht, dass

1. alle Beteiligten die gleichen Informationen erhalten und somit Kommunikationsfehler mglichst gering gehalten werden

2. gemeinsam getroffene Vereinbarungen klar festgehalten und somit verbindlich werden

3. die Beteiligten klar geregelte und allenfalls auch mehr Mitwirkungsrechte haben

4. kontrolliert werden kann, ob die Vereinbarungen eingehalten werden

5. festgestellt werden kann, ob die Vereinbarungen sinnvoll und in die Praxis umsetzbar sind

6.               die Vereinbarungen gemeinsam verndert werden knnen, wenn sie sich als nicht hilfreich und praktikabel erwiesen haben.

 

Anspruchsgruppen im Pflegekinderwesen

Qualitt ist keine absolute Grsse. Im industriellen Kontext wird die Qualitt durch den Kunden definiert, resp. nach neuerer Marketinglehre mit ihm vereinbart. Im Pflegekinderwesen ist der Kundenbegriff, wie bereits ausgefhrt, nur beschrnkt auf die Herkunftsfamilie anwendbar, u. a. weil der Geldfluss in keiner Weise dem Leistungsfluss entspricht.

Wir sprechen deshalb im folgenden von Anspruchsgruppen, Gruppen von Betroffenen und Beteiligten, die aus ihrer Interessenlage, ihrer Werthaltung und ihren beruflichen und persnlichen Zielsetzungen Qualittsansprche an das Gesamtgeschehen im Pflegekinderwesen stellen.

 

Diese Anspruchsgruppen sind sehr unterschiedlich organisiert, ihre Beteiligung am Geschehen im Bereich des Pflegekinderwesens reicht von intensiv zu marginal. Dazu kommt, dass die Platzierung des Kindes in einer Pflegefamilie und die Begleitung des Pflegeverhltnisses fr die einzelnen (Fach)Personen in ihrer Berufs- und Lebenswelt oft ein seltenes Geschehen ist. Qualittsansprche an die Prozesse im Pflegekinderwesen werden deswegen gar nicht, oder sehr leise vertreten. Die Tabelle im Anhang gibt eine bersicht ber die verschiedenen Anspruchsgruppen und versucht, sie mit einigen Stichworten zu charakterisieren.

 

Quellen fr Werte und Normen

Qualittsentwicklung, die nicht nur eine Institution umfassen, sondern, wegen der Komplexitt der Leistungserbringung, institutionsbergreifend und interprofessionell ausgestaltet werden soll, muss auf einem Konsens von Werten und Normen basieren, die von allen Akteuren im Feld anerkannt werden. Im folgenden wird versucht, ein Quellenverzeichnis fr diese Grundwerte zu erstellen. Dabei ergeben sich einige Schwierigkeiten:

 

a)       Die Werte und Normen variieren stark in ihrem Grad der Formalisierung, von den stark formalisierten Verfahrensvorschriften in der Gesetzgebung ber allgemeine Grundstze in der Menschenrechtserklrung und in Berufsethiken und informellen Werten und Normen, wie sie sich in gesellschaftlichen Einstellungen manifestieren.

b)       Sie unterscheiden sich ebenso stark in ihrem Gltigkeitsanspruch. Dieser reicht von weltweit (universelle Erklrung der Menschenrechte) ber internationale Abkommen wie die Kinderrechtskonvention, nationale Gesetzgebungen bis zu Berufsethiken, die nur fr die Angehrigen eines Berufes bindend sind.

c)       Ein weiterer Unterschied liegt in der Verbindlichkeit und Durchsetzbarkeit: Mit der hchsten Verbindlichkeit und Durchsetzbarkeit ausgestattet sind wohl die nationalen Gesetzgebungen, gefolgt von internationalen Abkommen und Berufsethiken Am wenigsten durchsetzbar sind, zumindest in pluralen, westlichen Gesellschaften, religise und gesellschaftliche Normen und Werte und die Erkenntnisse aus der Forschung zumindest fr den sozialwissenschaftlichen Bereich.

d)       Und nicht zuletzt ist auch ihre Relevanz fr das Pflegekinderwesen unterschiedlich. Relativ wenig Werte und Normen beziehen sich ausschliesslich auf das Pflegekinderwesen (Verordunung ber die Aufnahme von Pflegekindern[2], in andern Normenkatalogen ist das Pflegekinderwesen ein wichtiges Teilgebiet (ZGB[3]) und in der Mehrzahl der brigen Wertegrundlagen kommt das Pflegekinderwesen zwar nicht explizit vor, aber es knnen daraus Wertorientierungen abgeleitet werden, die fr das Pflegekinderwesen relevant sind.

 

Der folgende Katalog erhebt keinen Anspruch auf Vollstndigkeit. Er soll die wichtigsten Quellen aufzeigen, aus denen die Qualittsdiskussion im Pflegekinderwesen Werte und Normen schpfen kann:

 

Quelle

Relevanz

UNO-Menschenrechtserklrung

l

UNO-Kinderrechtskonvention

lll

Schweizerische Bundesverfassung, spez. Art. 11 (Kindesschutz) und Art. 41 (Sozialziele)

l

Schweizerisches Zivilgesetzbuch ZGB

llll

Pflegekinderverordnung PAV

lllll

Beruftsethik Sozialarbeit[4]

ll

Berufsethik FICE[5]

ll

Berufsethik PsychologInnen

l

Berufsethik Psychotherapie

l

Berufsethik JuristInnen

l

Anstze zu institutionellen Grundstzen:

IFCO[6]

Jugendmter / Fachstellen der Kantone BE/BS/BL/ZH
Schweizerische Fachstelle fr das Pflegekinderwesen[7]

Fachstellen der regionalen Pflegekinder-Aktionen[8]

lllll

lllll

lllll

 

Religise Wertvorstellungen und Normen:

l

Kulturelle Wertvorstellungen und Normen:
Schweiz (mit regionalen Unterschieden)
Immigrantenkulturen

 

llll

llll

ffentliches Interesse (Ordre Public)

l

Forschung und Entwicklung

llll

 

Kulturelle Werte und Normen, das ffentliche Interesse und die aus Forschung und Entwicklung sich herauskristallisierenden Werte sind natrlich usserst unscharfe Kategorien. Dennoch sind sie sehr wirksam, oft werden gerade in diesem Bereich die umstrittenen Fragen diskutiert, bevor sie Eingang in die strker fomalisierten Normenkataloge finden. Beispiele dafr sind: Kinderrecht versus Elternrecht? Die Partizipation der Kinder bei der (Rck)Platzierung, die Platzierung bei einem unverheirateten Paar, bzw. gleichgeschlechtlichen Paar oder Alleinerziehenden, etc.

 

Bestehende und potentielle Trger der Qualittsentwicklung im schweizerischen Pflegekinderwesen

Wie bereits dargelegt, greift die innerinstitutionelle Qualittsentwicklung fr den Bereich des Pflegekinderwesens zu kurz. Zwar besteht auch innerhalb einiger beteiligter Institutionen ein Nachholbedarf, aber ein institutionsbergreifender Ansatz muss ergnzend dazu verfolgt werden, wenn eine langfristig wirksame Verbesserung der Qualitt im Interesse der betroffenen Kinder, Pflegeeltern und Herkunfts-eltern erreicht werden soll. Glcklicherweise bestehen bereits einige Anstze zur interinstitutionellen Zusammenarbeit. Auf diesen Anstzen kann aufgebaut, sie knnen weiter entwickelt und ausgebaut werden.

Kantonale Behrden

Die Koordination zwischen den Kantonen liegt leider im Argen; lbliche Ausnahme ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Jugendmtern der beiden bevlkerungsreichsten deutschschweizer Kantonen Zrich und Bern.

 

Bei der Konferenz der kantonalen Vormundschaftsbehrden ist das Pflegekinderwesen nur sporadisch Thema. Art. 3, Abs. 2 der Pflegekinderverordnung den Kantonen ist es vorbehalten, das Pflegekinderwesen zu frdern, insbesondere:... hat sich bisher in etwa der Hlfte der Kantone wenn berhaupt auf Abs. 2b (Muster fr Pflegevertrge, Richtlinien fr die Festsetzung des Pflegegeldes, Merkbltter, etc.) beschrnkt.

 

Unseres Wissens ist der Themenbereich des Pflegekinderwesens bei der Konferenz der kantonalen Jugendamtsleiter nur ein marginales Thema.

 

ber die Koordination innerhalb der Kantone ist uns nur die Fachgruppe Pflegekinderwesen der zrcherischen Jugendsekretariate bekannt, die unter anderem Zielvorstellungen fr das Pflegekinderwesen und verschiedene Merkbltter erarbeitet hat. Andere Kantone haben im Rahmen einer kantonalen Stelle (meistens Jugendamt) zumindest eine minimale Koordination, whrend z.B. in den Kt. Aargau und Thurgau diese fehlen.

Private Koordinationsanstze

Die 1950 gegrndete Pflegekinder-Aktion Schweiz bemht sich vor allem in der deutschen Schweiz und seit den achtziger Jahren auch im Kanton Tessin um die Verbesserung der Situation der Pflegekinder und um die Anerkennung von Pflegeeltern und spter auch um die Frderung des Pflegekinderwesens im Allgemeinen. Die Pflegekinder-Aktion Schweiz ist ein Dachverband, der vor allem koordinierend wirkte durch Ferienlager fr Pflegekinder, einer Zentralstelle fr die Vermittlung von Pflegepltzen, durch die Initierung von Grosspflegefamilien (prof. Pflegefamilien) und durch die Fortbildung von Pflegeeltern und durch eine ffentlichkeitsarbeit fr das Pflegekinderwesen im Rahmen verschiedener Zielgruppenbroschren und der jhrlichen Spendenkampagnen.

In den einzelnen Regionalvereinen (RV) verlief die Entwicklung eigenstndig: Fast die Hlfte der RV haben Fachstellen, die ihre Beratungs- und Vermittlungsttigkeit in der Wochen- und Dauerpflege, bzw. in der Tagespflege anbieten oder Koordinationsfunktionen ausben und im Rahmen von Leistungsauftrgen auch Projekte von Kantonen, bzw. Gemeinden durchfhren.

Die von der Pflegekinder-Aktion Schweiz 1994 geschaffene Schweizerische Fachstelle fr das Pflegekinderwesen ist die einzige Stelle auf nationaler Ebene, die sich fr die vielfltigen Belange des Pflegekinderwesens engagaiert. Am Anfang standen dabei Bestandsaufnahme und Analyse von Aktivitten, Bedrfnissen und im Pflegekinderwesen, durch Tagungen und Beratungen Fr Pflegeeltern werden jhrlich 10 12 themenzentrierte Fortbildungsangebote gemacht und seit zwei Jahren auch der Ausbildungskurs Qualifizierte Erziehung von Pflegekindern angeboten. Die Fachstelle hat inzwischen eine gut ausgebaute und aktuelle Dokumentation und ist zu einem Informations- und Kompetenzzentrum geworden. Seit Oktober 1996 erscheint auch Netz, Zeitschrift fr das Pflegekinderwesen. Auch Netz soll wie die Ausbildungs- und Fortbildungskurse - mithelfen, die Qualitt im Pflegekinderwesen weiterzuentwickeln.

Heilpdagogische Pflegefamilien, oder Sozialpdagogische Pflegefamilien (HPP) bilden seit lngerem einen wichtigen Bestandteil der Qualittsentwicklung im Pflegekinderwesen der deutschen Schweiz. Durch die Professionalisierung der Pflegeeltern verbunden mit Leistungsauftrgen und interner Qualittssicherung wurden nicht nur in der ausserfamiliren Platzierung eine bestehende Lcke geschlossen, sondern auch vielfltige Impulse fr das Pflegekinderwesen gegeben. Die einzelnen HPPs haben sich regional zusammengeschlossen und sind schweizerisch vernetzt.

 

Projekte espoir und MOMO (HIV-kranke und betroffene Kinder in Pflegefamilien) setzten erstmals Standards bezglich Vorbereitung, Aus- und Fortbildung der Pflegeeltern. Auch sind die Pflegeeltern gut vernetzt und erhalten Untersttzung und Beratung.

 

Diesen Idee hat auch das Projekt INTEGRATION aufgenommen und weiterentwickelt. In lndlichen Gebieten werden Kinder aus stdtischen Verhltnissen platziert. Dadurch werden nicht nur den platzierten Pflegekinder neu Entwicklungschancen gegeben, sondern auch Familien in der Gemeinde Eggiwil im Emmental. Durch die Konzentration auf eine Gemeinde ist auch eine optimale Vernetzung, Betreuung und Beratung der Pflegeeltern, bzw. spezifische therapeutische Angebote fr die Kinder mglich.

 

Das Marie Meierhofer-Institut fr das Kind hat sich mit Gutachten und Beratungen von Behrden und Fachleuten bei schwierigen Pflegeverhltnissen im Grossraum Zrich einen Namen gemacht. Es hat im Rahmen der Zeitschrift undKinder periodisch fachliche Beitrge zum Pflegekinderwesen publiziert und zur Weiterentwicklung dieses Bereichs angeregt.

 

Perspektiven der Qualittsdiskussion im Pflegekinderwesen

Einige hoffnungsvolle Anstze fr die Qualittsentwicklung im Pflegekinderwesen sind also vorhanden. Der Fachkongress Qualittsentwicklung im Adoptions- und Pflegekinderwesen vom 1. bis 4. November 2000 soll den teilnehmenden Fachleuten eine bersicht ber diese Anstze geben, Impulse aus der auslndischen Praxis und aus der Forschung aufnehmen und die weitere Entwicklung befruchten. Die veranstaltenden Institutionen, die Schweizerische Fachstelle fr Adoption, die Schweizerische Fachstelle fr das Pflegekinderwesen, die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi SKIP und der Service Social International SSI haben die erklrte Absicht mit dem Kongress eine nachhaltige Wirkung zu erzielen.

Sie setzen sich dafr ein, dass Massnahmen beschlossen werden, die geeignet sind, qualitative Minimalstandards in allen Kantonen zu sichern und die Qualitt der Gesamtleistung Pflegekinderwesen periodisch zu evaluieren und weiter zu entwickeln.

 

Wie das im Einzelnen geschehen soll, wird Ergebnis des Fachkongresses und der Diskussionen in seinem Vorfeld sein. Hier seien lediglich exemplarisch einige mgliche Entwicklungslinien skizziert:

Qualittssicherung

Rechtliche Grundlagen

Im Gegensatz zum Adoptionswesen steht im Pflegekinderbereich in absehbarer Zeit keine Verbesserung der gesetzlichen Grundlage an. Es geht daher im Pflegekinderwesen darum, sich im Rahmen der Pflegekinderverordung (PAV) den Aspekt der Qualittssicherung griffiger auszuhandeln und zu gestalten. Dies kann aber letztlich nur gelingen, wenn die Kantone bereit sind, endlich das Pflegekinderwesen als einen wichtigen Teil der Jugendhilfe zu frdern und Massnahmen zu treffen zur Ausbildung, Weiterbildung und Beratung von Pflegeeltern, (...) sowie zur Vermittlung guter Pflegepltze (..)

Auf der Ebene des Bundes ist zudem eine gesetzliche Grundlage fr die Erhebung einer jhrlichen Statistik der Pflegeverhltnisse zu schaffen und die Forschung im Bereich des Pflegekinder- und Adoptionswesens zu frdern.

 

Kriterien, Indikatoren, Standards

Im Bereich des Vormundschaftswesens gibt es, ausser den gesetzlichen Bestimmungen, noch keine allgemein akzeptierten Kriterien, Indikatoren und Standards fr die Prozesse der Abklrung, Vermittlung und Begleitung von Pflegeverhltnissen. Hier wre ein weites Feld fr knftige Entwicklungen.

Qualittsevaluation

Normen der Qualittssicherung machen nur Sinn, wenn sie auch evaluiert werden. Die Evaluation im Bereich des Pflegekinderwesens stsst leider auf einige Schwierigkeiten:

         Im Gesamtauftrag der meisten ffentlichen und privaten Institutionen und Fachleute sind Pflegeverhltnisse nur ein Thema von vielen. Pflegekindspezifische Evaluation findet deshalb nicht oder nur in Form einer Fallstatistik statt und hat zudem oft keine Prioritt.

         Die Schweiz ist ein sehr kleines Einzugsgebiet fr spezifische Praxisforschung im Bereich des Pflegekinderwesens. Dieser Themenbereich wird an den Universitten und den Fachhochschulen nur sehr sporadisch, personenabhngig und deshalb nicht regelmssig beforscht.

         Die Komplexitt der Leistungserbringung hat auch zur Folge, dass Evaluationsprojekte sehr komplex werden, wenn sie aussagekrftig sein sollen.

         Die privaten Institutionen im Pflegekinderwesen sind klein und haben oft weder die personelle Kapazitt noch ausreichend Erfahrung fr grssere Evaluationsprojekte.

         Die Pflegefamilie ist der wichtigste Leistungserbringer im System des Pflegekinderwesens. Durch ihren ungeklrten Status in der Jugendhilfe und zwischen Privatheit und ffentlichkeit balancierend findet Evaluation nur auf freiwilliger Basis statt.

Trotz all dieser erschwerenden Umstnde soll das Mgliche getan werden. Die Bndelung der zur Zeit sehr dispersen Krfte soll dazu beitragen, dass mehr als heute mglich wird.

 

Die von Donabedian (1982) entwickelten Dimension der Qualitt: Strukturqualitt, Prozessqualitt und Ergebnisqualitt ergeben auch fr die Qualittsevaluation im Pflegekinderwesen einen sinnvollen Raster:

 

Strukturqualitt fragt nach der qualitativen und quantitativen Ausstattung der Institutionen, der (professionellen) Pflegefamilien und ihrer institutionellen Vernetzung.

 

Prozessqualitt meint das Vorgehen bei der Abklrung von Pflegepltzen, bei der Suche, Information und Evaluation von potentiellen Pflegeeltern, die Vermittlung eines bestimmten Kindes in eine entsprechende Pflegefamilie, die Perspektivenplanung, die Begleitung von Pflegeverhltnissen, die Beratung von Pflegeeltern, der Einbezug und die Arbeit mit den Herkunftseltern, etc. aber auch die Qualitt der im Rahmen der Pflegefamilie ablaufenden Prozesse, wie die erzieherische Arbeit der Pflegeeltern, die Zusammenarbeit von Fachperson, Pflegeeltern, Herkunftseltern und Behrden.

 

Ergebnisqualitt beschreibt die Wirksamkeit, der mit dem Pflegeverhltnis getroffenen Zielvereinbarungen und Hilfen, z.B. die Lebenstchtigkeit von Pflegekindern nach Beendigung des Pflegeverhltnisses, ihr Selbstbild, ihre schulische und berufliche Performanz, ihre Beziehungsfhigkeit und ihre Fhigkeit, die eigene, ungewhnliche Lebensgeschichte zu verstehen und zu akzeptieren.

 

Indikatoren, Kriterien und Standards fr diese drei Dimensionen bestehen noch kaum und die rechtlichen Regelungen sind leider nicht sehr aussagekrftig.

Qualittsentwicklung

Qualittsentwicklung meint alle Massnahmen, die geeignet sind, die Qualitt der Leistungen weiter zu entwickeln, sie basiert auf der Grundannahme der lernenden Organisation und des nie abgeschlossenen Entwicklungsprozesses. Hier steht nicht die Erfllung von Standards im Vordergrund, sondern die konstante Anpassung der Strukturen und Ablufe an neue Erkenntnisse und an die sich stetig verndernden Anforderungen im gesellschaftlichen Umfeld. Dies muss sowohl innerhalb einer Institution gelten, wie auch fr die institutionsbergreifende Zusammenarbeit. Beispiele fr solche Qualittsentwicklungsmassnahmen sind:

         die interdisziplinre Zusammenarbeit der beteiligten Fachpersonen,

         die Reflexion der Prozesse,

         die Supervision,

         die institutionsbergreifende Weiterbildung,

         die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Verfahren der Praxis,

         verbesserte optimale Information und Vorbereitung der Pflegeeltern auf ihre Aufgabe,

         ffentlichkeitsarbeit der fr die Vermittlung, Platzierung und Begleitung von Pflegeverhltnissen zustndigen Stellen,

         eine anerkennende und untersttzende Haltung gegenber Pflegeeltern, Herkunftseltern.

Die Hilfe fr das Kind steht dabei immer im Zentrum.

 

Institutionelle Perspektiven

Ergnzend zur Entwicklung von Kriterien und Standards der Qualittssicherung, zur Evaluation der Qualitt im Pflegekinderbereich und zu den vielfltigen Massnahmen der Qualittsentwicklung sind institutionelle Vorkehrungen ntig, um diese Bemhungen in diesem heterogenen und unbersichtlichen Feld zu koordinieren. In Ergnzung zu den bereits bestehenden Trgern der Qualittssicherung und Qualittsentwicklung sollen drei weitere zur Diskussion gestellt werden:

Forum Pflegekinderwesen Schweiz

Bei der Jugendhilfe, die wie die Schule in der Kompetenz der Kantone liegt, fehlt ein gesamtschweizerisches Koordinationsorgan. Beim Pflegekinderwesen wird dies besonders deutlich, da die Zustndigkeiten fr dieses bei den Kantonen unterschiedlich geregelt sind. Ein mgliches informelles schweizerisches Koordinationsorgan knnte ein Forum Pflegekinderwesen Schweiz sein, das sich jhrlich einmal trifft, das offen ist fr alle an der Weiterentwicklung des Pflegekinderwesens interessierten Institutionen, Organisationen, kantonalen Behrden, Aus- und Weiterbildungsinstitutionen und Vereinigungen von am Pflegekinderwesen Beteiligten (Pflegevereine, etc.).

Interkantonale und regionale Fachstellen (Pflegekinderdienste)

Ein wesentliches Hindernis fr die Qualittssicherung und Qualittsentwicklung im Pflegekinderwesen sind die Kleinrumigkeit der schweizerischen Verhltnisse und der Fderalismus. Die mittleren und kleineren Kantone knnen die komplexen Aufgaben im Pflegekinderwesen nur schlecht wahrnehmen, weil die Vormundschaftsbehrden in den Gemeinden nicht ber die ntige professionelle Infrastruktur verfgen. In den meisten Kantonen fehlen zudem Stellen, die koordinieren und im Pflegekinderwesen zentrale Aufgaben, wie ffentlichkeitsarbeit, Aus- und Fortbildung der Pflegeeltern, Vernetzung und Beratung bernehmen. Auch die Aus- und Weiterbildung der Fachpersonen in Zusammenarbeit mit den Fachhochschulen (FHS) und die Schulung der Laienbehrden in Bezug auf das Pflegekinderwesen mssen interkantonal oder sogar wie bei der Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK) regional gelst werden.

Ein gangbarer Weg wren regionale Fachstellen fr das Pflegekinderwesen, die alle anfallenden fachlichen Aufgaben fr die angeschlossenen Kantone erledigten. Strukturell sind verschiedene Lsungen denkbar: Integration in eine kantonale Verwaltung mit vertraglicher Beteiligung der angeschlossenen Kantone oder in Form einer privaten Institution mit Leistungsauftrgen mehrerer kleiner und mittlerer Kantone. Die kantonalen Zustndigkeiten mssten nicht angetastet werden, weil lediglich die Fachaufgaben delegiert wrden, die hoheitlichen Aufgaben verblieben bei den Kantonen.

Fachkonferenzen

Fachkonferenzen sind wichtige Anlsse fr die Qualittsentwicklung. Sie geben den beteiligten Fachleuten Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, sich ber wegweisende Projekte in anderen Institutionen zu informieren und Ergebnisse der Forschung in ihre Praxis zu bertragen. Sie sind speziell geeignet, die Qualitt der Zusammenarbeit zwischen Institutionen und Berufsgruppen zu frdern. Eine kontinuierliche Serie von Fachkonferenzen in zwei- oder dreijhrigem Abstand wrde sehr zur Nachhaltigkeit der Qualittsentwicklung im Fachbereich beitragen und die Gefahr mindern, dass solche Anlsse als Strohfeuer verpuffen. Die Pflegeelternkonferenzen, die Fachtagungen der Schweizerischen Fachstelle und der Fachkongress vom November 2000 in Zrich sind vielversprechende Anfnge. Die Kontinuitt ist aber noch nicht gewhrleistet. Die offizielle Anerkennung und Frderung solcher Anlsse durch Bund und Kantone auf der Grundlage der PAV, insbesondere Art. 3, Abs. 2 Frderung des Pflegekinderwesens knnte einiges dazu beitragen, dass diese Initiativen sich verbreitern und zu einem wichtigen Instrument der Qualittsdiskussion werden.

 

 


Anhang 1

Anspruchsgruppen, ihre Organisationen und ihre Interessen

 

 

Anspruchsgruppe

Organisation

Artikulation von Interessen und Qualittsvorstellungen

Leistungsempfnger

Herkunftseltern

 

alle diese Beteiligten sind nicht organisiert

 

Pflegekinder

 

Ehemalige, erwachsene Pflegekinder

 

Leistungserbringer

Pflegeeltern

Lose in regionalen Pflegeelternvereinen

Bulletins, Erfahrungsaustausch, Fortbildungskurse

Heilpd. Pflegefamilien

Regionale Zusammenschlsse

Leitbild, Standards, Supervision, Austausch, Koordinations- und Vermittlungsstelle,Fachliche Leitung

Regionale Fachstellen

Regionalvereine der Pflegekinder-Aktion,

Leitideen, Standards, Intervision und Supervision

Sozialdienste

organisiert in der SKOS

unbekannt

Vormundschaftsbehrden

Konferenz kantonaler Vormundschaftsbehrden

Das Pflegekinderwesen ist marginal

Zeitschrift fr das Vormundschaftswesen, Fortbildung in Zusammenarbeit mit der HSA Luzern

Pflegekinderaufsichten

kantonal teilweise, eidgenssisch nicht organisiert

Laien und SozialarbeiterInnen

teilweise Intervision bzw. Supervision, Einfhrungs- und Fortbildungskurse. Rollenkonflikt (Aufsicht-und Beratungsfunktion)

Jugendsekretariate, Jugend- und Familienberatungsstellen

(regionale) polyvalente Sozialdienste

kantonal und kommunal organisiert

professionelle Strukturen

Das Pflegekinderwesen ist meistens wenn berhaupt ein kleiner Anteil (10 20 %) des jeweiligen Arbeitsbereiches

Privatvormunde und Beistnde

nicht organisiert (in grsseren Stdten gemeinsame Fortbildung)

Laien

unbekannt

Amtsvormunde

Vereinigung der schweizerischen Amtsvormunde

Pflegekinderwesen ist marginal

 

SozialarbeiterInnen

Berufsverband fr Soziale Arbeit

Pflegekinderwesen ist marginal

Berufsethik

Pflegekinderwesen ist marginal

PsychologInnen

Fderation Schweizer PsychologInnen FSP

Schweizerischer Psychotherapeutenverband SPV

Schweiz. Berufsverband fr Angewandte Psychologie SBAP

Pflegekinderwesen ist marginal

Berufsethiken

 

Pflegekinderwesen ist marginal

JuristInnen

Schweizerischer Juristenverein

Demokratische JuristInnen Schweiz

Berufsethik

 

Pflegekinderwesen ist marginal

ErziehungsberaterInnen

Verband der Schulpsychologinnen

?

PsychotherapeutInnen

Schweizerischer Psychotherapeutenverband SPV

Pflegekinderwesen ist marginal

Berufsethik

Pflegekinderwesen ist marginal

ErwachsenenbildnerInnen

SVEB

Zertifizierung

Zeitschrift education permanent (ep)

ElternbildnerInnen

Verband fr Elternbildung, sbe

Kurse fr Pflegeeltern sind anerkannter Bestandteil der Elternbildung

Leitideen Elternbildung,

Zeitschrift Elternbildung

Anspruchsgruppen, ihre Organisationen und ihre Interessen (Fortsetzung)

 

Interessenvertretungen

Pflegeelternvereine

reg. Pflegeelternvereine

Bulletins, Erfahrungsaustausch, Fortbildungskurse

Vereinigungen leiblicher Eltern

in der Schweiz nicht organisiert

in Deutschland Verein Netzwerk Herkunftseltern

unbekannt

in Deutschland interdisziplreTagungen, Interessenartikulation u.a. durch Zeitschrift i.m.pu.l.s.e

Kinder- und Menschenrechts-organisationen

Schweizerischer Kinderschutzbund, SKSB

UNICEF

Kinderlobby Schweiz

Gemeinsame Vernehmlassung KRK, AG Kindeswohl

Kinderhilfswerke

Pro Juventute

Stiftung Kinderdorf Pestalozzi

Fachstelle Tagesfamilien, PKW im allgemeinen mariginal

innerstaatliche ffentlichkeit

Verwaltung

25 kantonale Verwaltungen

PKW marginal in den meisten Kantonen

1 Bundesverwaltung

Kantone: uneinheitliche und unklare Praxis

 

Zentralstelle fr Familien fragen des BASV

Gesetzgebung

eidg. Parlament

Bundesrat

s. ZGB-Revision Kindesrecht[9]

 

Medien

PKW meist marginal oder im Zusammenhang mit Problemen

 

internationale ffentlichkeit

Internationale Organisationen

UNO

Europarat

Kinderrechte[10]

Menschenrechtskonvention EMRK[11]

Internationale Fachffentlichkeit

IFCO

Kongresse, Fachzeitschriften

 

Internet

per se nicht organisiert

Wildwuchs speziell auf englischsprachigen websites

 



[1] DIN EN ISO 8402, 1995

[2] Verordnung ber die Aufnahme von Pflegekindern, vom 19. Oktober 1977 mit Revision vom 21.Dezember 1988

[3] Schweizerisches Zivilgesetzbuch, vom 10. Dezember 1907 (Art 294/300/307/310/ 315/316)

[4] Berufskodex des Schweizerischen Berufsverbandes Soziale Arbeit SBS/ASPAS, vom 4. Juni 1999

[5] Ein Ethikcode fr Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten (FICE Bulletin 14/98)

[6] IFCO Konferenz Sept. 1992 (Neue) fachliche Standards in der Vollzeitpflege

[7] Fachliche Standards fr das Pflegekinderwesen vom............

[8] Die regionalen Fachstellen nehmen sehr unterschiedliche Aufgaben wahr, haben teilweise formulierte Leitbilder und bezglich des PKW besteht eine Intervisionsgruppe

[9] vgl. Hegnauer, Cyril: Grundriss des Kindsrechts. Bern: Stmpfli 1999.

[10] UNO-Konvention ber die Rechte des Kindes, vom 20. November 1989

[11] Europische Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten